Kakao und Kaffee aus Madagaskar
Im regenreichen und tropisch heißen Norden und Osten Madagaskars wird Kakao in großem Stil anbebaut. Plantagen in Ambanja liefern den Rohstoff für berühmte Edel- und Plantagenschokoladen der ganzen Welt. Die Pflanzungen stammen meist noch aus der französischen Besatzungszeit und haben sich auf den Anbau der Spitzensorten Criollo und Trinitario spezialisiert. Kaffee wird ebenfalls im Nordosten von Madagaskar angebaut.
Kakao (botanisch: theobroma
cacao) wird vorwiegend im Nordwesten Madagaskars im üppigen
Tal des Sambirano-Flusses,
in der Gegend von Ambanja und auf der Insel Nosy
Be meist in großen Plantagen auf einer Fläche von
insgesamt 4.600 ha angebaut. Die Ernteergebnisse schwanken stark
und liegen zwischen 2.000 t und 4.000 t Kakaobohnen pro Jahr, was
aber nur einen Weltmarktanteil von 0,1% bis 0,2% bedeutet. Im Vergleich:
rund 3,5 Mio. t Kakao werden weltweit jährlich erzeugt, wovon
200.000 t also 5% nach Deutschland gehen. Die größten
Erzeugerländer für billigen Konsumkakao sind Indonesien,
Ghana, Nigeria, Brasilien und Kamerun, die jeweils weit über
100.000 t Kakao pro Jahr erzeugen. Die Weltmarktpreise für Kakaobohnen
sind in den letzten Jahren durch die steigende Nachfrage nach Massenware
auf 1,50 €
gestiegen und reichen für absolute Spitzenware bis zu 7,00 € pro
kg.
Unser Buchtipp: Die Welt des Kakaos. Kakao weckt verborgene Sehnsüchte. Kakao wärmt an kalten Winterabenden. Kakao schmeckt bei Liebeskummer ebenso wie beim ersten Date. Autorin: Simone Hoffman. 180 Seiten.
Die Plantagenbesitzer und Kleinbauern in Madagaskar profitieren
aber von der weltweit steigenden Nachfrage nach Kakao kaum, denn der
Veredelungsprozeß und damit der wichtigste Teil der Wertschöpfungskette
findet in den Importländern Europas und Amerikas statt, wo der
Rohstoff Kakao zu edlen Schokoladensorten verarbeitet wird. Einzige
Ausnahme ist der madagassische Schokoladenfabrikant
"Chocolat Robert", der direkt vor Ort die madagassischen
Kakaosorten zu Edelschokoladen und Pralinen verarbeitet (Verkaufsniederlassung
im Ortsteil Behoririka von Antananarivo).
Der Kakaobaum stammt
urspründlich aus Südamerika. Bereits die Azteken verwendeten
Kakao als Kultgetränk. Der Kakaobaum ist ein immergrüner
Unterholzbaum im tropischen Regenwald, der 8 m
bis 10 m, zum Teil bis zu 15 m hoch wird. Durch die Schaffung
von Arbeitsplätzen sind Kakaopflanzungen übrigens die beste
Garantie für die Erhaltung des tropischen Regenwaldes, nicht nur
in Madagaskar. Kakao wächst nicht nur im Schatten größerer
tropischer Bäume als wilder Kakao, sondern wird auch in Pflanzungen
zweckmäßigerweise im Schatten von großen Bäumen
oder Bananenstauden kultiviert. Das Verbreitungsgebiet des Kakaoanbaus
erstreckt sich in Äquatornähe rund um den gesamten Erdball
mit Schwerpunkten in Mittelamberika und den karibischen Inseln, im
westlichen Äquatorialafrika, dem indonesisch-malaischen Raum und
natürlich Madagaskar.
Kakao
gehört zur Gattung der Sterkuliengewächse mit der wichtigsten
Art Theobroma cacao, zu der
eine große Anzahl von Zuchtformen zählt. Die Früchte
weisen eine unglaubliche Formen- und Farbenvielfalt auf, die Oberfläche
variiert von apfelglatt bis ledrig-schrumplig. Die drei wichtigsten Kakaosorten mit
der weltweit größten Verbreitung sind:
2. Forastero:
der "Konsumkakao" wird vor allem in Westafrika angebaut und
ist widerstandsfähiger als Criollo. Forastero-Bohnen
haben ein herberes Aroma und werden daher vor allem für Kakaopulver
und Milchschokolade verwendet. Der Anteil an der Weltproduktion liegt
bei über 80 Prozent.
3. Trinitario: die relativ junge Kreuzung von Criollo und Forastero kombiniert die Widerstandsfähigkeit und hohe Qualität der beiden Pflanzen; sie liefert über 10% des weltweit produzierten Kakaos. Trinitaro gehört in Madagaskar zu den am meisten verbreiteten Kakaosorten. Beim Schnitttest ist die Trinitaro-Bohne an einer dunklen Schnittfläche zu erkennen.
Der Kakaobaum liebt
hohe Luftfeuchtigkeit, etwa 2.000 mm Niederschlag pro Jahr und eine
mittlere Jahrestemperatur von 24° C bis 28° C, Bedingungen
die sich entlang der gesamten Ostküste Madgaskars und im Nordwesten
in der Gegend von Ambanja finden. Die Ernte setzt im fünften Jahr
ein. Die Früchte reifen in 5-8 Monaten. Die Erträge schwanken
im Allgemeinen zwischen 200 und 1.200 kg Bohnen je ha. Im Verhältnis
zu anderen Bäumen im Regenwald ist der Kakaobaum eher
klein und daher eine typische Schattenpflanze. In Kultur wird er außerdem
durch Beschnitt niedriger gehalten.
Der
Baum trägt eine Unzahl von kleinen gelblichen
Blüten von einem Zentimeter Größe, die das ganze
Jahr hindurch am Stamm entstehen. Der Kakaobaum kann gleichzeitig blühen
und Früchte tragen. Die größte Anzahl an Blüten
erreicht er im Alter von zehn bis zwölf Jahren, dann kann die
Zahl der Blüten bis zu 100.000 pro Jahr betragen.
Die unreife Frucht hat eine grüne Farbe, die reife je nach Kakaosorte eine gelbe, gelbrote oder rot- bis rotbraune Farbe. Die gurkenförmigen, 15 cm bis 25 cm langen und 7 cm bis 10 cm dicken ledrig-holzigen Früchte enthalten in fünf Reihen 25 bis 50 bohnenförmige Samen (Kakaobohnen), die in ein helles süßliches Fruchtmus eingebettet sind. Die Samen sind etwa 2 cm lang und 1 cm breit. Die Frucht sitzt direkt am Stamm. Pro Jahr trägt jeder Baum etwa 20 bis 30 Früchte, in guten Jahren bis zu 50 Früchte.
Bei
der Ernte werden die Kakaofrüchte
mit Hilfe von Pflückmessern von den Bäumen getrennt. Dabei
muss mit äußerster Sorgfalt vorgegangen werden, um die Samenkissen,
aus denen die Frucht hervorgegangen ist, nicht zu verletzen. An diesen
Stellen könnten sonst keine weiteren Früchte mehr wachsen.
Die Früchte werden dann geöffnet und das Fruchtfleisch, sowie
die Kakaobohnen aus den Schalen herausgeholt.
Vor
der Fermentation sind die Kakaosamen
(Kakaobohnen) selbst sehr bitter. Zur Fermentation werden die Bohnen
mit ihrem Fruchtfleisch in großen Behältern eingelagert
und abgedeckt (z.B. mit Bananenblättern oder Planen). So liegen
die Bohnen für etwa fünf bis sechs Tage. Durch den hohen
Zuckergehalt des Fruchtfleisches tritt sofort Gärung ein. Dabei
entstehen
hohe Temperaturen von ca. 45°C bis 50°C. Ausgelöst durch
diese Temperaturen laufen verschiedene chemische und biologische Prozesse
ab, bei denen zunächst Acetylsäure (Essig) entsteht. Am ersten
Tag wird das Fruchtfleisch flüssig und verdampft schließlich,
je stärker die Temperatur ansteigt. Entscheidend für die
Qualität der späteren Schokolade ist, dass die Bohnen kurz
aufkeimen, um dann durch die hohen Temperaturen und den hohen Säuregehalt
abzusterben und die zunächst weißlich-gelben Bohnen erhalten
ihre braune
Färbung. Wichtig bei diesem Prozeß ist das fast tägliche
Umschichten der Bohnen, um den für die chemischen Prozesse notwendigen
Sauerstoff zuzuführen.
Nach
der Fermentation enthalten die Bohnen noch bis zu 60% Wasser. Um lagerfähig
und damit für die weitere Verarbeitung geeignet zu sein, müssen
sie nach einem Waschgang getrocknet werden. Dazu werden sie auf Matten
oder Tabletts ausgebreitet und ein bis zwei Wochen der tropischen Sonne
ausgesetzt. Während des Trocknens reduziert sich das Gewicht der
Bohnen um mehr als die Hälfte und der Wassergehalt wird auf maximal
7% reduziert. Dadurch wird die Haltbarkeit der Bohnen deutlich verbessert.
Durch die Sonnenbestrahlung wird außerdem das Aroma der Bohnen
weiter entwickelt.
Nach dem Trocknen werden die Bohnen handverlesen und nach einer Qualitätskontrolle, für die eine bestimmte Anzahl von Bohnen mit einer "Guillotine" aufgeschnitten wird und die Qualität der Trocknung und der Anteil an fehlerhaften Bohnen ermittelt wird, für den Export vorbereitet.
Die
weitere Verarbeitung erfolgt meist in den Schokoladenfabriken der großen
Verbraucherländer. Dort werden die Kakaobohnen zunächst geröstet.
Die üblichen Rösttemperaturen für
Kakaobohnen liegen zwischen 130°C und 150°C. Edelkakaos werden
eher bei etwas niedriegeren Temperaturen geröstet. Der Röstvorgang
dauert bis zu 30 Minuten. Beim Rösten verlieren die Bohnen weiter
an Feuchtigkeit, und es laufen chemische Prozesse ab, die für
den Geschmack und das Aroma von Schokolade unerlässlich sind.
Anschliessend
wird der Kakaobruch zermahlen. Die leichten Schalenteile werden durch
ein Gebläse weggeblasen. Durch fortschreitende Zerkleinerung entsteht
eine flüssige Kakaomasse.
Je nach Schokoladensorte werden jetzt Gewürze, wie Vanille oder
Zimt zugesetzt, für Milchschokolade kommt Milch hinzu. Damit die
Schokolade eine möglichst weiche Konsistenz bekommt, wird die
Kakaomasse in einem Raffineur durch mehrere Walzen conchiert,
ein Verfahren, dass von Lindt im Jahr 1879 entwickelt wurde. Durch
Sauerstoff und Wärme wird der Masse außerdem die letzte
Feuchtigkeit entzogen, so dass der Feuchtigkeitsgehalt jetzt weniger
als 1 % beträgt. Nachdem die Schokoladenmasse die Conche verlassen
hat, hat sie eine Temperatur von etwa 50°C und ist für die
Weiterverarbeitung zu dünnflüssig. Man läßt die
Schokolade langsam nach einer ganz bestimmten Temperaturkurve auf ca.
28°C abkühlen. Durch den Vorgang des Temperierens erhält
die Schokolade ihren matten seidigen Glanz.
Tipp
für Feinschmecker: immer häufiger werden in Feinkostgeschäften
und in gut sortierten Abteilungen der Warenhäuser Plantagenschokoladen
angeboten, darunter auch hochwertige Schokoladensorten mit Herkunftsbezeichnung "Madagaskar",
z.B. aus den Plantagen von Manjari, Ampamakia und Mangaro (Hersteller: Lindt, Voiron, Valrhona, Michel
Cluizel, J.D. Gross, Sprüngli,
Coppeneur und Rausch,
um nur einige zu nennen).
In madagassischer Schokolade dominieren Aromen von roten Beeren und Zitrusfrüchten. Unsere persönlichen Favoriten sind die Sorten "Ampamakia" und "Manjari" von Valrhona und "Mangaro" von Michel Cluizel. Hochwertige Schokolade aus dem Herzen des Indischen Ozeans! Unbedingt zu empfehlen! Schützt den Regenwald! Eßt Schokolade!
Kaffee
Die Kaffepflanze stammt ursprünglich aus Äthopien und wird seit dem 19. Jahrhundert auch entlang der Ostküste Madagaskars angepflanzt. 66.000 t Kaffee wurden 2001 in Madagaskar auf einer produktiven Fläche von rund 200.000 ha produziert (übrigens genauso viel wie bereits im Jahre 1974).
Die Gattung Coffea gehört zur Pflanzenfamilie der Rubiaceae (Rötegewächse) mit über 6.000 Arten. Von wirtschaftlicher Bedeutung sind jedoch nur 2 Kaffeevarietäten. An erster Stelle ist der geschmacklich feinere Coffea Arabica zu nennen, auf den mehr als 70% der Weltkaffeeproduktion entfallen. Coffea Canephora (meist Robusta), der doppelt soviel Koffein enthält, nimmt den zweiten Platz in der Weltkaffeeverbreitung ein. Die beiden Sorten unterscheiden sich in der Größe und Form ihrer Bohnen: Arabica ist etwas länger als Robusta und besitzt in der Bohnenmitte einen geschwungenen Einschnitt, während Robusta einen geraderen Einschnitt hat.
In Kultur werden die Kaffeepflanzen als Strauch gehalten. Die länglich ovalen, immergrünen Blätter finden sich zusammen mit kleinen weißen Blüten. Als botanische Besonderheit ist zu erwähnen, dass der Kaffestrauch gleichzeitig blühen und Früchte tragen kann. Die Blüten blühen für nur wenige Stunden auf und verbreiten einen jasminartigen Duft. Aus den Blüten entwickelt sich in sechs bis sieben Monaten die Frucht des Kaffeebaumes, die Kaffeekirsche. Die Farbe der Früchte wechstelt während der Reifezeit von Grün über Gelb zu Rot, im überreifen Zustand werden sie sogar schwarz. Im Inneren der Kaffeekirsche befinden sich zwei Steinkerne, die Kaffeebohnen mit der charakteristischen Längsfurche. Kaffeebäume blühen vom dritten Jahr an und bringen etwa 30 Jahre lang Erträge. Sie benötigen etwa 2000 mm Jahresniederschlag.
In Madagaskar werden die Arten Canephora (Sorten Kouilou und Robusta) in Küstennähe bis zu 700 m Höhe und der höherwertigere Arabica in Höhenlagen ab 700 m gepflanzt. Die Anbaugebiete entlang der Ostküste befinden sich im Hinterland von Mananjary, Tamatave und Antalaha bis hinauf nach Nosy Be und im Sambiranogebiet im Nordwesten. Mit 2% Anteil an der Welternte ist Madagaskar eher ein kleines Erzeugerland von Kaffee.
Zurück zu Produkte aus Madagaskar - Weitere Inormationen: Gewürze - Nahrungsmittel - Pflanzen

