Madagaskars Landschaften, Regionen und Städte
Madagaskar, die viertgrößte Insel der Welt, hat aktuell eine Bevölkerung von rund 20 Millionen Einwohnern. Das Klima des riesigen Inselkontinents reicht von tropisch heiß, über gemäßigt bis hin zu extrem heißen und trockenen Steppenklima. Die Provinzen Madagaskars entsprechen den klimatischen Großräumem: Hochland, Norden, Süden, Osten und Westen. Alle wichtigen Reiseziele sind von der zentralen Hauptstadt Antananarivo aus mit Flugzeug, Auto oder öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen. Die Ortsnamen der wichtigsten Orte sind auch heute noch eher unter ihrem Namen aus der französischen Kolonialzeit bekannt. Geologisch bietet die rote Insel eine große Vielfalt an Landschaftsformen.
Die "Große Insel" Madagaskar, auf madagassisch Madagasikara, wegen ihrer bis zu 20 m dicken roten lateritischen Erdschicht von den Reisenden auch "Rote Insel" genannt, liegt im Indischen Ozean östlich von Afrika und südlich des Äquators zwischen dem 12. und 27. Grad südlicher Breite und 45. und 54. Grad östlicher Länge, durch den 400 km breiten Kanal von Mosambik von Afrika getrennt.
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Der
Inselstaat Madagaskar präsentiert sich in der Form eines linken
Fußes und hat eine Landfläche von 587.041 km² (zum
Vergleich: Deutschland hat 356.970 km²) und ist damit so
groß wie Deutschland, Holland, Belgien, Österreich und die
Schweiz zusammen. Südlich des Äquators gelegen schneidet
der Südteil der Insel auf Höhe der Ortschaft Betioky den
südlichen Wendekreis. Madagaskar
ist die viertgrößte Insel der Welt (nach Grönland,
Neuguinea und Borneo), 580 km breit in Ost-West-Richtung an ihrer
breitesten Stelle und 1.600 km lang in Nord-Süd-Richtung. Die
Küstenlänge beträgt 5.000 km und bietet unzählige
palmengesäumte Badestrände und Korallenriffe, die zum Tauchen
einladen. Wie eine Perlenkette sind eine Reihe von kleinen Paradies-Inseln,
die im 17. Jahrhundert noch den Piraten als Zuflucht dienten, dem madagassischen
Festland vorgelagert.
Die größeren dieser unmittelbaren Nachbarinseln, die zum Staatsgebiet Madagaskars gehören, zählen heute zu den touristischen Attraktionen Madagaskars: zahlreiche Hotels finden sich insbesondere auf den jeweils nur wenige 10 km vor der Küste gelegenen Inseln –› Sainte Marie (madagassisch nosy boraha) vor der der Ostküste und –› Nosy Be vor der Nordwestküste.
Die anderen "großen Nachbarinseln" im Indischen
Ozean erscheinen neben dem Inselkontinent Madagaskar wie Staubkörner:
einige 100 km entfernt im Nordwesten befindet sich die Inselgruppe
der Komoren mit Mayotte und dem Moroni-Atoll,
in knapp 1000 km Entfernung östlich von Madagaskar liegen
die beiden großen Inseln der Maskarenen Réunion und Mauritius und
im Norden ebenfalls 1000 km entfernt liegt die Inselgruppe der Seychellen.
Der
höchste Berg Madagaskars ist der Maromokotro (2.876 m)
im –› Norden der Insel. Ein zentraler
Gebirgszug durchzieht den roten Kontinent von Norden nach –› Süden und
bildet ein Hochplateau mit einer mittleren Höhe von 1.200 bis
1.500 m. Das Ankaratra-Gebirge liegt im –› zentralen
Hochland mit maximal 2.600 m Höhe, die höchste Erhebung
im südlichen Teil Madagaskars ist der Pic Boby mit 2650 m.
Die Hochebene steigt von Westen nach Osten nur gemächlich an und
endet etwa 100 km vor der Ostküste in einem Steilabfall, der sich
parallel zur Ostküste von Norden nach Süden durch die Insel
zieht.
Aktuelle Buchtipps für eine Reise nach Madagaskar |
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Die fünf größten Binnenseen im Inneren von Madagaskar sind: der Alaotra-See mit 220 km² der größte Binnensee im nordöstlichen und der Itasy-See im nordwestlichen Hochland, der Kinkony-See im Westen und der Ihotry- und der Tsimanampetsotsa-See im Süden.
Ein teilweise asphaltiertes Straßennetz von
insgesamt 30.000 km Länge verbindet die größeren Orte
Madagaskars miteinander. Das im Jahre 2003 angelaufene Programm zur
Modernisierung des Straßennetzes ist mittlerweile weit fortgeschritten.
Alle Hauptstrecken der Nationalstraßen befinden sich seit 2008
in einem gutem Zustand.
Ein kleines Schmalspureisenbahnnetz (1 m-Spurweite) von 870 km Länge verbindet einige Orte des südlichen und nördlichen Hochlandes mit der Küste im Osten. Die Bahnstrecke Brickaville-Antananarivo wurde 1901 begonnen und am 1. Oktober 1909 eröffnet (267 km). Die Bahn war eine der bis dahin kostspieligsten Tropenbahnen überhaupt weltweit. Sie durchschneidet teilweise sehr schwieriges Gelände, was viele Kunstbauten, u.a. 12 Tunnel von 1300 m Gesamtlänge, erforderte, und ersteigt mit Höchststeigungen von 1:50 eine Meereshöhe von 1479 m. Die Verlängerung der Bahn zum Hafen Tamatave (97 km) wurde im März 1913 vollendet. Die südlichen Streckenabschnitte nach Fianarantsoa wurden in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts in Angriff genommen.
Das Streckennetz ist heute jedoch nur noch teilweise, meist nur für
den Warentransport intakt. Nur im südlichen Abschnitt von Fianarantsoa
zur Küste werden noch einzelne Züge für den Personentransport
eingesetzt. Hier werden auch die beiden weltweit letzten Michelines eingesetzt,
Personentransportwagen
ähnlich einem großen Reisebus, der auf Vollgummireifen auf
Schienen verkehrt. (–› Informationen
zur letzten Micheline von Madagaskar...) Für die Strecke von
Antananarivo nach Andasibe in das Schutzgebiet der Indris ist eine
Art Charter-Verkehr geplant, der eine Lokomotive mit einem Personen-Wagon
zur freien Verfügung für Touristen anbieten soll (Fahrzeit
für die 150 km lange Strecke ca. 6 Stunden).
Sechs internationale Häfen und weitere 12 Küstenhäfen ergänzen die Transportinfrastruktur ebenso wie 5 internationale und weitere 7 große Flughäfen, die täglich von Antananarivo angeflogen werden. Fast 100 kleine Flughäfen ermöglichen auch das Anfliegen kleinerer Ortschaften einmal wöchentlich oder für private Flüge.
Wichtige Reiseziele und Routen in Madagaskar
Der
Besucher Madagaskars wird in Regel in der Hauptstadt Antananarivo ankommen
und dort eventuell einige Tage verbringen. Für sehr kurze Aufenthalte
empfiehlt sich eines der zahlreichen Hotels in der Nähe des Flughafens an der Straße nach Antananarivo, da die Fahrzeit in die 15 km entfernte Innenstadt je nach
Verkehrslage 1 Stunde dauern kann. Von Antananarivo gibt es Flugverbindungen
zu allen Flüghäfen Madagaskars, wobei die größeren
täglich und die kleineren wöchentlich angeflogen werden.
(weiter zu Informationen
zu Fluggesellschaften)
In Antananarivo laufen zentral alle großen Staßenachsen Madagaskars zusammen. Über das Netz der Nationalstraßen (RN = route nationale) kann man mit Bussen, Buschtaxis (taxi brousse) oder Privatfahrzeugen problemlos in alle Regionen der großen Insel gelangen:
- die RN1 verbindet –› Antananarivo mit dem westlichen Hochland und führt vorbei am Lemurs Park (25 km) über Arivonimamo (50 km) und den Itasy-See (100 km) nach Tsiroanomandidy (180 km). Von Tsiroanomandidy führt eine schlecht ausgebaute Nebenstrecke weiter bis zur Westküste nach Maintirano (430 km);
- die RN2 führt von Antananarivo nach –› Osten über den Mantasoa-See (Abzweigung nach 59 km), durch Bergregionen nach Moramanga (115 km) und Andasibe mit seinem berühmten Nationalpark (135 km) über den östlichen Steilabfall weiter zur Ostküste nach –› Tamatave (350 km);
- die RN3 führt in Richtung Norden über den sehr gut erhaltenen alten Königssitz von Ambohimanga (16 km) nach Anjozorobe (90 km), wo sich ein großes Urwaldgebiet befindet; die Ausbaustrecke endet hier;
- die RN4 führt in den Nordwesten zur goßen Hafenstadt –› Mahajanga (ca. 10 Stunden); von dort kann man weiter in Richtung Norden nach Diego-Suarez oder auch an die nördliche Ostküste nach Sambava fahren;
- die in den großen Süden führende RN7 ist die längste, beliebteste und spektakulärste Straßenachse Madagaskars, die von Antananarivo über die Hochlandstädte Ambatolampy (68 km), Antsirabe (170 km) Ambositra (240 km) und Fianarantsoa (360 km), durch das Isalo-Massiv zur südlichen Westküste nach –› Toliara (800 km) führt.
Klima
und Jahrzeiten Madagaskars
Die
Insel unterteilt sich in vier klimatische Landschaftszonen: ein regenreiches
und tropisch-heißes Gebiet entlang der Ostküste bis
zum Norden, ein zentrales Hochland mit
einem relativ gemäßigten tropischen Klima, ein wechselfeuchtes
Gebiet im Westen und schließlich eine
aride Trockenzone im Süden und Südwesten.
Die
Winde, die meist aus östlicher Richtung vom Indischen Ozean her
kommen, regnen sich vorzugsweise an der östlichen Bergkette ab,
die die Insel von Norden nach Süden durchzieht, wobei der Wintermonsun in
den Monaten Dezember bis März starke Niederschläge aus nordöstlicher
Richtung bringt, der Sommermonsun kühle und weniger regenreiche
Winde aus südöstlicher Richtung.
Die Madagassen unterscheiden zwei Jahreszeiten, den Sommer etwa von Oktober bis Mai (auf madagassisch asara oder fahavaratra) mit hohen Temperaturen und Niederschlägen und den kurzen Winter von Juni bis September (asotry oder ririnina) mit gemäßigteren Temperaturen und weniger starken oder vollständig ausbleibenden Niederschlägen.
Die
Provinzen Madagaskars
Die landschaftlichen und klimatischen Großräume Madagaskars finden sich auch in der verwaltungstechnischen und kulturgeografischen Aufteilung der roten Insel in sechs Provinzen wieder:
- Provinz von Antananarivo im zentralen Hochland mit eine Fläche von 58.283 km²,
- Provinz von Fianarantsoa im südlichen Hochland mit 102.373 km²,
- Provinz von Toamasina (Tamatave) mit 71.911 km² an der Ostküste,
- Provinz von Antsiranana (Diego Suarez) mit 43.046 km² im Norden,
- Provinz von Mahajanga mit 150.023 km² im Westen;
- Provinz von Toliara mit 161.405 km² im Süden.
Die
6 Regionen teilen sich wiederum in 22 Provinzen. Das –› zentrale
Hochland mit der Hauptstadt –› Antananarivo als
Metropole ist geprägt durch fruchtbares Ackerland, das für
den Reis- und Gemüseanbau genutzt wird. Hier herrscht ein subtropisches
Klima mit einer ausgiebigen Regenzeit, die von Dezember bis Februar
reicht. Der südliche Teil des Hochlandes gehört zur Provinz
von Fianarantsoa und geht südwestlich
in das Isalo-Gebirge über
und führt im Osten über den Steilabfall zum Indischen Ozean.
Die Küste von Madagaskar ist insgesamt rund 5000 km lang, mit dem Indischen Ozean im Osten, Norden und Süden und dem Kanal von Mosambik im Westen. Der regenreiche Osten mit der Metropole Tamatave (Toamasina), dem größten Hafen Madagaskars, gliedert sich in den nördlichen Abschnitt mit einer extrem heißen tropischen Zone, die für den Anbau von Vanille, Litschis und Palmen genutzt wird und den südlichen Abschnitt der Ostküste, der vom Pangalanes-Kanal durchzogen wird.
Der Westen und
vor allem der Südwesten Madagaskars ist Dornenland. Insbesondere
der Süden der Insel leidet unter einem
großen Wassermangel. Ausgedehnte Trockensavannen mit Sukkulentenfauna,
Wolfsmilchgewächsen und Baobabs prägen
das typische Landschaftsbild dieser Gegend.
Die mit Abstand größte Stadt Madagaskars ist die Hauptstadt Antananarivo im zentralen Hochland (früherer französischer Name: Tananarive) mit heute etwa 2 Millionen Einwohnern in ihrem Einzugsgebiet. Weitere Zentren mit Einwohnerzahlen um 200.000 sind die Hafenstädte Toamasina (französischer Name: Tamatave), Toliara, Antsiranana (Diego Suarez) und Mahajanga und die Hochlandstädte Fianarantsoa und Antsirabe. Alle weiteren großen Orte Madagaskars weisen Einwohnerzahlen von weit unter 100.000 auf. 80% der Bevölkerung lebt in meist sehr isolierten ländlichen Dorfeinheiten.
Madagassische
Ortsnamen
Manche
Ortschaften sind auch heute noch umgangssprachlich eher bekannt unter
ihrem Namen aus der französischen Kolonialzeit (wie zum Beispiel
die Seeräuberinsel "Sainte-Marie"), als unter
ihrer heute gültigen madagassischen Bezeichnung ("nosy
boraha"), tragen aber offiziell ihren madagassischen Ortsnamen,
was die Orientierung nicht immer erleichtert.
Hier die wichtigsten Ortsnamen in ihrer alten französischen und ihrer heute richtigen madagassischen Schreibweise:
- Tananarive = Antananarivo
- Tamatave = Toamasina
- Diègo Suarez = Antseranana
- Perinet = Andasibe
- Fort Dauphin = Tolanaro
- Tulear = Toliara
- Majunga = Mahajanga
- Foulpointe = Mahavelona
- Hell Ville = Andoany
- Vohemar = Iharana
- Ste. Marie = Nosy Boraha
Die klangvollen und oft vielsilbigen Ortsnamen Madagaskars sind häufig von ihrer geografischen Lage abgeleitet (Ambohi... = "am Fuße des Hügels"; Anvato... = am Felsen) oder beschreiben die Örtlichkeiten (ala = "Wald", rano = "Wasser"; tanety = "Anhöhe"). Manche Namen wiederholen sich daher landesweit sehr häufig und erhalten dann oft eine Erweiterung für die geografische Lage (z.B. Fenerive-Est). Ranomafana bedeutet "wo es heißes Wasser gibt" und wird auf mehrere Ortschaften Madagaskars angewandt, die heiße Quellen haben.
Geologie
Madagaskars
Erdgeschichtlich war Madagaskar ursprünglich mit dem afrikanischen Kontinent verbunden und bildete mit der Antarktis, Australien und Indien zusammen den südlichen Urkontinent Gondwanaland. Vor 250 Millionen Jahren begann dieser Kontinent auseinanderzubrechen. Spätestens seit 70 Millionen Jahren ist Madagaskar komplett vom afrikanischen Kontinent getrennt und konnte sich damit zum Museum lebender Fossilien entwickeln, wie einige Naturforscher die Insel bezeichnen.
Madagaskar
zeigt eine ungewöhnliche Vielfalt von Oberflächenformen.
Im Hochland ragen mächtige Gebirgsmassive auf, der kristalline
Sockel der Insel; Granitkuppen und Quarzitrippen finden sich ebenso
wie junge Vulkankegel und -krater, von denen heute nur noch wenige
aktiv sind. Besonders zu erwähnen sind die vulkanischen Formationen
um den Itasy-See im westlichen Hochland etwa
120 km von der Hauptstadt Antnanarivo entfernt. Auch im Norden der
Insel finden sich Vulkanlandschaften bei Ankaizina und auf der Insel
Nosy Be.
Die Hochflächen sind oft von Steilrändern begrenzt und zerschnitten. Zum Westen hin bilden sich Schichtstufen, die sich verschiedenen erdgeschichtlichen Epochen zuordnen lassen. Der Osten wird von enggegliedertem Hügelland gebildet, die Küsten von Dünenketten mit Kliffen, Buchten und Deltamündungen, denen teilweise Dünenketten vorgelagert sind.
Tektonisch
gehört Madagaskar zur afrikanischen Platte. Ein Riss, der 2.000 km östlich
von Madagaskar durch den Indischen Ozean läuft, trennt die indisch-australische
Platte von der afrikanischen, mit der sie vor 150 Millionen Jahren
noch verbunden war.
Das Grundgebirge, der präkambrische Sockel, ist
im Osten der Insel nicht überdeckt. Er besteht aus Schichten unterschiedlicher
Zusammensetzung: Gneise, Glimmerschiefer, Quarzite, Marmor usw. Edelsteinfunde
sind häufig in Madagaskar.
Weitere Informationen: Hochland - Antananarivo - Osten - Süden - Westen - Norden - Schutzgebiete - Natur

