Die Pflanzenwelt Madagaskars
Die Pflanzenwelt Madagaskars ist eine der artenreichsten der Welt. Es gibt nach neuesten Schätzungen 12.000 bis 14.000 Pflanzenarten in Madagaskar, von denen mehr als 85% nur auf Madagaskar vorkommen, also hier endemisch sind. Insbesondere die zahlreichen Orchideenarten üben eine unwiderstehliche Anziehungskraft auf die Besucher aus. Aber auch die Sukkulentflora der Trockengebiete ist spektakulär, nicht zuletzt durch die zahlreichen Baobab-Arten. Aber auch viele Palmenarten, Farne, Baumarten und insektenfressende Pflanzen gehören zu den botanischen Highlights der großen Insel.
Die Pflanzenwelt Madagaskars wird seit 350 Jahren systematisch erforscht. Bereits im Jahr 1658 veröffentlichte Etienne de Flacourt (1607-1660) sein Werk "L'Histoire de la grande isle Madagascar", in dem er die große Zahl von Vögeln, Fischen, Pflanzen und anderen Kuriositäten bewunderte, die er in Madagaskar antraf. Holländische, englische und französische Forscher folgten ihm nach. Im neunzehnten Jahrhundert und zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts erreichte der Forschungsdrang seinen Höhepunkt. Hier besonders zu nennen ist der französische Naturforscher Alfred Grandidier, der Madagaskar in den Jahren 1865 bis 1870 intensiv bereiste und erforschte. Im Jahre 1929 fand eine große Expedition von französischen und englischen Naturforschern statt. Seit 1989 erforscht der amerikanische Naturforscher Steven M. Goodman die Natur Madagaskars.
Der
Flächenteil
an intakter ursprünglicher Naturlandschaft nimmt
in Madagaskar von Jahr zu Jahr zugunsten der Gewinnung von Ackerland
ab. Die letzten intakten Naturlandschaften werden in den zahlreichen Schutzgebieten der Insel erhalten. Große
Teile Madagaskars sind heute allerdings mit einer Sekundärvegetation
bedeckt, die auch nicht in Madagaskar beheimatete Pflanzen beinhaltet.
Insbesondere Eukalyptus wird
gerne bei Aufforstungen gepflanzt, da er besonders gut den Buschfeuern
widersteht.
Die wichtigsten Pflanzenfamilien Madagaskars
Die mehr als 12.000 Pflanzenarten Madagaskars sind ebenso wie Tierwelt zu einem sehr hohen Prozentsatz endemisch, kommen also nur auf Madagaskar vor. Viele nicht endemische Arten sind in den letzten Jahrhunderten vom Menschen als Nahrungsquelle oder als Schmuckpflanzen nach Madagaskar eingeführt worden.
Hier eine kurze Übersicht der wichtigsten Pflanzenfamilien Madagaskars:
- Die spektakulärste Pflanzenfamilie der madagassischen Steppenlandschaften ist die der Baobabs oder Affenbrotbäume, die in Madagaskar mit 6 endischen Arten vorkommen. (Zu weiteren Informationen über die Baobabs von Madagaskar...)
- Die Wolfsmilchgewächse (Euphorbiaceae) sind in Madagskar mit rund 700, meist endemischen Arten vertreten, die sich auf 60 Gattungen aufteilen. Wolfsmilchgewächse finden sich in allen Teilen des Landes, vom Regenwald bis zum Dornenland in unterschiedlichsten Varianten und Wuchsformen. Folgende Gattungen sind besonders verbreitet: Euphorbia mit 170 Arten, Croton mit 150 Arten, Phyllanthus mit 60 Arten, Acalypha mit 22 Arten, Suregada und Macaranga mit jeweils 13 und Amyrea, Claoxylon, Drypetes und Uapaca mit jeweils 10 Arten.
- Die Hülsenfrüchtler (Leguminosae oder Fabaceae) präsentieren sich in Madagaskar mit 670 Arten, von denen die meisten hier endemisch sind. Hülsenfrüchtler sind sehr variabel und anpassungsfähig. Die Arten reichen von Ackerpflanzen bis hin zu Hartholz wie dem begehrten Rosenholz (Dalbergia). Besonders häufig sind sie im trockenen Westteil Madagaskars anzutreffen. Die drei zahlenmäßig wichtgsten Gattungen sind: Caesalpinioideae mit 86 Arten, Mimosoideae mit 127 Arten und Papilionoideae mit 360 Arten.
- Die Familie der Sapotengewächse (Sapotaceae) findet sich in Madagaskar mit 84 Arten; die meist strauchartigen Pflanzen zeichnen sich durch klebrigen weißen Pflanzensaft und ungleichmäßigen Wuchs aus. Wichtigster Vertreter ist die Gattung der Mimusops-Gewächse.
- Die Familie Schwarzmundgewächse (Melastomataceae) gehört zu den myrtenartigen Gewächsen, die in tropischen Gebieten stark verbreitet sind. In Madagaskar sind sie mit 321 Arten vertreten. Die wichtigsen Gattungen sind die Melastome (Melastomae), die Dissochaeteae und Sonerileae.
Die alte, noch aus der Kreidezeit stammende Familie der Palmen (Arecaceae) ist in Madagaskar mit rund 170 fast ausschließlich endemischen Arten vertreten. Die wichtigsten Gattungen sind die Coryphoideae, Calamoideae, Ceroxylideae und Arecoideae.
- Die Gattung der Schraubenbäume (Pandanus) aus der Familie der Schraubenbaumgewächse (Pandanaceae) ist in Madagaskar mit 100 Arten vertreten.
- die große Familie der Annonengewächse (Annonaceae) gehört zu den Magnolienartigen (Magnoliales). Verschiedene endemische Gattungen finden sich in Madagaskar wie Uvaria und Xylopia.
- Die Pflanzenfamilie der Balsaminengewächse (Balsaminaceae) gehört zur Ordnung der Heidekrautartigen und ist in Madagaskar mit 150 Arten vertreten. Wichtigster Vertreter dieser Familie sind die Springkräuter (Impatiens)
- Die Familie der Bambusgewächse (Bambuseae) ist mit 32 Arten vertreten;
- Winteraceae: diese archaische Pflanzenfamilie ist mit 100 Arten in Madagaskar vertreten; bekanntester Vertreter Takhtajania perrieri.
Die Regionen Madagaskars und ihre Pflanzen
Botanisch lässt sich Madagaskar in sechs Regionen unterteilen:
- die tropisch-feuchten immergrünen Regenwaldgebiete entlang der Ostküste bedecken einen Streifen von ca. 100 km Breite bis zu einer Höhe von 800 m über dem Meerespiegel, der teilweise abrupt zur Küste abfällt; die jährliche Niederschlagsmengen sind hoch und liegen durchschnittlich bei 2000 mm, im Masoala-Gebiet sogar bei 6000 mm;
- das ebenfalls tropisch-immergrüne und fruchtbare Sambirano-Becken im Nordwesten hat ein feucht-tropisches Mikro-Klima mit fast täglichen Niederschägen, das besonders den Anbau von Kakao und Zuckerrohr begünstigt;
- das meist karge zentrale Holchland auf Höhenlagen zwischen 800 und 1800 m mit sehr geringen Beständen an Primärwald;
- die Bergregionen mit über 1800m Höhenlage im Norden mit dem Tsaratanana- und Marojejy-Gebirge, im Zentrum mit dem Ankaratra- und Vahinankaratra-Gebirge und im Süden mit dem Andringitra- und Andohahelo-Gebirge;
- die trockenen Zonen des Westens erstrecken sich über den Westteil und den äußersten Nordteil Madagaskars, unterbrochen vom Sambirano-Becken mit seinem feuchten Mikroklima;
- die subariden Wüstengebiete des Südens bilden ein relativ flaches Gebiet mit Dornenwäldern; viele Flüsse führen nur zur Regenzeit Wasser.
Die
botanische Rundreise beginnt in der Hauptstadt Antananarivo.
Überall in der Stadt finden sich Jacaranda-Bäume
(Jacaranda
mimosaefolia), die von September bis November ein violettes
Blütenmeer
über die ganze Stadt und die Region ziehen. Allerdings sind
Jacarandas keine ursprüngliche madagassische Baumart, sondern
importiert.
Das
Hochland um Antananarivo wird vorwiegend für die Landwirtschaft
genutzt und wirkt generell recht karg. Der ursprüngliche Waldbestand
ist zugunsten der Landwirtschaft in den letzten 150 Jahren fast vollständig verschwunden.
Aufgeforstete Waldbestände bestehen meist aus importierten
Eukalyptus und Kiefern.
Der
südliche Teil des zentralen Hochlandes geht westlich von Fianarantsoa
in das Isalo-Gebirge über. In den trockenen Felsgebirgen
des Isalo finden sich Pflanzen, die aussehen wie fußballgroße
Keramikkrüge, aus denen gelbe Blüten an einem langen Stil
wachsen, der pachypodium horombense. Nicht zu verwechseln
mit bis zu einem Meter hohen Zwergbaobab, dessen Aussehen durch
die Bezeichnung Elefantenfuss gut umschrieben wird. Auch er hat
gelbe Blüten.
Je
weiter man in Richtung Süden und Westen geht, umso trockener
wird das Klima. An der Westküste sind die Affenbrotbäume
oder Baobabs die auffälligste Baumart, in Madagaskar Renala
genannt. Hier finden sich auch viele Sukkulenten, die zu 99% endemisch
sind, wie Pachypodien, Euphorbien und Aloe-Arten.
Madagaskar
hat 330.000 ha Mangrovenwälder, 97% davon befinden
sich an der Westküste. Damit besitzt Madagaskar das
größte
Mangrovenvorkommen des westlichen Indischen Ozeans: in Diégo-Suarez,
im Mündungsdelta des Betsiboka bei Mahajanga, um Morondava
und um Tulear. Mangroven sind Brackwasserpflanzen ertragen
Salzwasser und Süsswasser.
Unterbrochen
wird die Küstenregion durch Sümpfe und Moore, auf denen
freischwimmende Pflanzen wachsen. Auch die endemische und fleischfressende
Kannenpflanze gedeiht in diesem Umfeld. Die Teiche sind umgeben
von einer Sumpflandschaft mit Wasserhyazinthen (madagassisch:
tetezanalika). Die interessantesten Süßwasserlandschaften
befinden sich im Osten der Insel, parallel zur Küste, wo der Pangalanes-Kanal mit seinen zahlreichen untereinander verbundenen Seen verläuft.
Der
Osten der Insel wird von Norden nach Süden von einer
tropisch-feuchten Zone durchzogen, die sich über eine Länge von
1.100 km erstreckt und bis in Höhenlagen
von 900 m reicht. Der immergrüne Regenwald dieser Region
ist stellenweise immer noch intakt wie zum Beispiel in den Schutzgebieten Ranomafana, Andasibe und
im Montagne d'Ambre, die
unter dem Oberbegriff Atsinanana von
der UNESCO als Weltnaturerbe unter besonderen Schutz gestellt
wurden. Hier haben die Bäume
häufig Brett- und Stelzwurzeln. Baumfarne geben dem Wald eine
urweltliche Dimension. Das dichtverzweigte Wurzelwerk der Baumfarne
wird zu dekorativen Blumentöpfen gehauen und am Rande der
Straßen
verkauft, dadurch sind einzelne Baumfarnarten bereits rar geworden.
Eine Sonderstellung als eigene Vegetationszone nimmt
das Becken von Sambirano und
die Insel Nosy Be im sonst trockenen
Nordwesten ein. Diese Regionalflora wird durch die hohen
Regenfälle ermöglicht, die nördlich der Gebirgszüge
des Tsaratanana ein feuchtes Mikroklima erzeugen, ideale Voraussetzungen
für den Anbau von Ylang-Ylang, Kakao, Vanille, Zuckerrohr,
Kaffee und Pfeffer.
Die
Sukkulenten Madagaskars
Neben den auch in unseren Breiten bekannten Pflanzenfamilien
sind in Madagaskar viele sukkulente Arten vertreten. Unter Sukkulenten fasst man die Pflanzenfamilien zusammen, die Pflanzenorgane zur
Wasserspeicherung besitzen. Es wird zwischen Blatt-, Stamm- und
Wurzelsukkulenten unterschieden, wobei alle Kombinationen möglich
sind. Einige aus Amerika stammende Kaktusarten sind ebenfalls nach
Madagaskar eingeführt worden, zählen aber nicht zu den
endemischen Arten.
Die endemischen Sukkulenten Madagaskars sind unter anderem mit folgenden Gattungen vertreten:
Apocynaceae (Hundsgiftgewächse):
13 endemische Arten von Pachypodium,
mit Pachypodium brevicaule, Pachypodium
rosulatum, Pachypodium
horombense, Pachypodium decaryi und Pachypodium
rutenbergianum als wichtigsten Vertretern; - Araceae (Aronstabgewächse): Typhonodorum lindeleyanum ist die einzige Art ihrer Gattung, eine Wassepflanze mit riesigen Blättern, die in Madagaskar endisch ist;
- Asphodelaceae (Affodillgewächse): wichtigster Vertreter Aloe (Familie der lilienartige Gewächse) mit 45 Arten in Madagaskar vertreten, unter anderem Aloe helenae, Aloe suzannae, Aloe vahombe, Aloe divaricata;
- Crassulaceae (Dickblattgewächse): 62 Arten Kalanchoe in Madagaskar;
- Didiereaceae: Alluaudia, Alluaudiopsis, Calyptrotheca, Ceraria, Decaria, Didieara, Portulacaria
- Euphorbiaceae (Wolfsmilchgewächse): Didiereaceae wie Alluaudia ascendens und Alluaudia
procera;
darüberhinaus 170 Arten von Euphorbia, einige
mit Stacheln andere mit Blättern ausgestattet, darunter die korallenartigen Arten wie Euphorbia tirucalli; am weitesten verbreitet sind die stacheligen Arten wie Euphorbia milii,
Euphorbia decaryi, Euphorbia primulifolia und Euphorbia bosseri; auch die stachellosen Arten wie Euphorbia hedyotoides finden sich in Madagaskar; eine Sonderrolle nehmen die euphorbischen Kletterpflanzen ein wie Delechampia und Tragia; - Fabaceae oder Leguminosae (Hülsenfrüchtler): die Gattung Delonix ist mit 9 endemischen Arten in Madagaskar vertreten, darunter der berühmte Flammenbaum Delonix regia;
- Hyacinthaceae (Hyazinthengewächse): Albuca, Bowiea, Dipcadi, Drimia, Hyacinthus, Lachenalia, Ledebouria, Litanthus, Massonia, Ornithogalum, Rhadamanthus, Rhodocodon, Schizobasis, Urginea, Whiteheadia
- Malvaceae (Malvengewächse): 7 in Madagaskar endenische Baobabs, Adansonia grandidieri, Adansonia rubrostipa (fony), Adansonia za, Adansonia madagascariensis, Adansonia suarezensis, Adansonia perrieri, Brachychiton, Cavanillesia, Ceiba, Pseudobombax, Sterculia
- Moringaceae (Moringa): die drei in Madagaskar heimischen Moringa-Arten sind Nutzpflanzen, deren Blätter als Gemüse dienen und aus deren Samen Öl gewonnen wird;
- Orchidaceae (Orchideen): die 960 Orchideenarten Madagaskars verteilen sich auf 58 Gattungen wie zum Beispiel Angraecum, Cymbidiella, Cynorkis oder Eulophia; Vanilla wurde aus Südamerika importiert;
- Pedaliaceae (Sesamgewächse): Pterodiscus, Sesamothamnus, Uncarina
- Piperaceae (Pfeffergewächse) Peperomia
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Die
bei uns als Zimmerpflanze bekannte Madagaskar-Palme wird
von den Botanikern Pachypodium lamerei genannt. Mit 13 verschiedenen
Arten strauchiger oder baumförmiger Sukkulenten ist die Gattung
Pachypodium (Familie: Apocynaceae) in Madagaskar vertreten.
Die Madagaskar-Palme trägt auf ihrem verdickten Haupttrieb
ein kräftiges Dornenkleid. Die Dornen sind in Wirklichkeit
Nebenblätter und stehen jeweils zu Dritt in einer Gruppe. Die
Familie der Pachypodien umfasst kleine kieselsteinförmige Gewächse
wie die Pachypodium bevivcaule, flaschenförmige wie
die pachypodium rutembergianum, die als größte
ihrer Art bis zu sechs Meter Höhe erreichen kann und deren
Blüten stark duften.
Pachypodium speichert Wasser im verdickten Teil des unteren Stammes (vom
griechischen pachýs = dick und podós = Fuß). Es sind Stammsukkulenten, mit charakteristischem, weißem,
klebrigem und stark ätzend-giftigem
Milchsaft. Dornen treten oft paarweise auf, was die Euphorbia leicht
unterscheidbar macht zu den Kakteen mit einem einzelnen Dorn.Alluaudia
Die
Familie der Aloe-Gewächse mit rund 20 Gattungen und
600 Arten wurde früher zu den Lilien-Gewächsen gezählt.
Bekannteste Vertreter sind die Aloen und Haworthien, beides Blattsukkulenten.
Die meisten Arten gedeihen auch in leichtem Schatten. Aloen lassen
sich ohne Blüten leicht mit Agaven verwechseln, aber die Blätter
sind nicht wie bei den Agaven faserig-zäh, sondern weichfleischig
und saftig, ein stechender Enddorn fehlt. Einige Aloe-Arten erreichen
im Alter baumförmige Ausmasse. Einige Arten werden medizinisch
genutzt und sind heute in den ganzen Tropen und Subtropen verbreitet.
Seltsame
Gewächse sind die dornigen Didiereaceae, eine den
Kakteen
ähnliche, jedoch nicht verwandte Pflanzenfamilie.
Elf von 20 in Madagaskar heimischen Arten sind hier endemisch.
Sie haben lange, rutenartige, verzweigte und blattlose Arme, die
wie dornenbestandene Säulen
mehrere Meter hoch wachsen. Da auch die Zweige grün sind,
können
die Pflanzen selbst im blattlosen Zustand Photosynthese betreiben.
Ein typischer Vertreter in
den Steppenlandschaften Madagaskars Süden ist die alluaudia
procera. Innen
sind die Arme verholzt. Daher werden diese urwüchsigen
Relikte als Baumaterial und Brennholz geschlagen.
Sisal (Agave sisalana) gehört
zur Pflanzenfamilie der Agavengewächse (Agavaceae),
die aus Südamerika importiert wurde. Die Blätter werden
maschinell in einem so genannten "Dekortikator" aufbereitet.
Danach werden die Fasern auf Trockengestellen ausgebreitet und in
der Sonne getrocknet. Dabei werden die Fasern gebleicht.
Von allen Agavenarten besitzt die Sisal-Agave die größte
wirtschaftliche Bedeutung. 2001 lag die Menge produzierter Sisalfasern
weltweit bei 336.000 t. Die Fasern dienen zur Herstellung von Tauen,
Bindegarn, Seilen, Fischernetzen, robusten Teppichen, Hängematten
und Möbelstoffen.
Der Flammenbaum gehört
zur Familie der Fabaceae,
die weltweit nur 11 Arten umfasst, von denen neun in Madagaskar
endemisch sind: Delonix boiviniana (gelblich Blüten), Delonix
brachycarpa (gelbe Blüten),
Delonix
decaryi oder D. adansonioides (flaschenförmiger
Stamm ähnlich wie Baobabs), Delonix floribunda (gelbe
Blüten),
Delonix leucantha (weiße Blüten), Delonix
pumila (weiße Blüten),
Delonix regia (weiße und rote Blüten), Delonix
tomentosa (weiße Blüten) und Delonix
velutina (Baum mit weißen Blüten wird
zur Herstellung von Einbäumen benutzt).
Die
Palmenarten Madagaskars
Madagaskar
beheimatet über 170 Palmenarten, von denen 166 in Madagaskar endemisch
sind. Palmen sind in Madagaskar ein wichtiger Rohstofflieferant
sowohl beim Hausbau, wo die Blätter und Fasern bei Dachkonstruktionen
verwendet werden, als auch als Nahrungslieferant in Form von Palmherzen, Früchten oder Fruchtfleisch, aus denen Palmwein
und Öle gewonnen werden.
Am bekanntesten ist die madegassische
Raffiapalme. Das Wort Raffia ist madagassisch und eines der wenigen
Wörter, das in die deutsche Sprache Einzug gefunden hat. Raffiapalmen
werden bis zu 20 m hoch, die Palmkronen tragen bis zu 15 m lange
und bis zu 3 m breite Fiederblätter.
Die jungen, noch nicht entfalteten Blätter sind vom Raffiabast
überzogen, der abgetrennt, getrocknet und in Ballen verpackt
wird. Raphiafasern sind von großer Festigkeit und Dehnbarkeit.
Sie sind 1,5 bis 1,8 m lang und 0,04 m breit.
Die Bastpalme
oder Raffiapalme (Raphia farinifera)
liefert als Rohstofflieferant Material für viele Zwecke. An
der Ostküste werden noch heute aus den dünnen Fasern
Hemden und Blusen geflochten. Die Häuser werden mit den
Blättern
der Raphia gedeckt, zudem kann aus der Pflanze Alkohol und Wachs
gewonnen werden. Raffia gehört zu den Palmfasern und wird
auch unter der Bezeichnung Raffiabast gehandelt.
Die Schraubenpalme Pandanus aus der Familie der Pandanaceae ist in Madagaskar mit 100 Arten vertreten, unter anderem mit dem pandanus utilis. Ihre Blätter werden zum Decken von Dächern verwendet. Die Schraubenpalmen werden zwischen 3 m und 15 m hoch.
Die Kokospalme (Cocos nucifera)
wird bis zu 30m hoch. Die Fasern der Fruchtwand werden zur Herstellung
von Seilen und Matten verwendet, Endknospen und Blätter als Palmkohl gegessen; der nach Abschneiden des Blütenstandes
austretende Saft ergibt vergoren Palmwein.
Die Dattelpalme (Phoenix dactylifera) wird bis zu 30m hoch. Der weibliche Baum trägt Büschel 45 cm langer, im Reifezustand dunkelroter oder gelber, zuckerreicher Beerenfrüchte. Die Jahresernte pro Baum beträgt zwischen 50 und 150 kg an Früchten (Datteln).
Die
zu den Bananengewächsen zählende Ravenala
("Blatt des Waldes" oder "Baum des Reisenden"; botanich: Ravenala madagascariensis) fächert über ihrem
Stamm rund ein Dutzend bananenblätterartige, langstielige Blätter
auf und wird 3 - 6 m hoch. Die stille Harmonie der Blätterfächer machte die
Ravenala zum Nationalgewächs Madagaskars. Stamm und Blätter
der Ravenala werden an der Ostküste zum Häuserbau benutzt.
Im Jahre 2005 wurde im Nordwesten Madagaskars eine neue Palmenart entdeckt, mit wissenschaftlichem Namen Tahina spactabilis. Das mit 20 m Höhe riesige Gewächs fiel einem Forscher erst auf, als es nach 100 Jahren zum ersten Mal zum Blühen begann, einen riesigen senkrechten Trieb mit tausenden von Blüten und dann Früchte hervorbrachte und schließlich starb. Gentests konnten die Palme als eigene neue Art bestätigen. Es wird vermutet, dass es heute nur noch wenige Exemplare dieser seltsamen Palmenart in Madagaskar gibt.
Baumarten Madagakars
Nach aktuellen Schätzungen von Umweltorganisationen finden sich in Madagaskar etwa 4200 endemische Baumarten, zu denen auch zahlreiche tropische Edelholzarten zählen wie Palisander, Eben- und Rosenholz. Bewaldete Zonen beschränken sich heute auf die großen Schutzgebiete und deren Umgebung im Osten Norden von Madagaskar.
Seit dem gewaltsamen Regierungswechsel im Jahre 2009 wird die unklare politische Situation ausgenutzt und ein Raubbau insbesondere der edlen Rosen- und Ebenhölzer im Nordosten von Madagskar hat begonnen. Drei Arten werden zu den besonders harten Rosenhölzern gezählt : Dalbergia baronii, Dalbergia louvelii und Dalbergia madagascariensis (Familie: Leguminosae). Der Begriff Rosenholz nimmt bezug auf die dunkelrote Färbung dieser in Madagaskar endemischen Arten. Die Bezeichnung Ebenholz bezieht sich auf verschiedene Arten von Diospyros (Familie : Ebenaceae), die eine feine Körnung aufweisen und sehr schwer sind. Diese ökonomisch wertvollen Holzarten kommen vor allem in der Region von SAVA im äußersten Nordosten von Madagaskar im Bereich von Makira-Masoala vor.
Eine große Familie innerhalb der Baumarten bilden die Hülsenfrüchtler (Leguminosae oder Fabaceae), die in Madagaskar mit 667 endemischen Arten zu finden sind.
Der Tapiabaum Uapaca bojeri (madagassisch: tapia) ist ein 10 bis 12 m hoher Baum, der in Höhenlagen ab 800 m in der Region von Ambalavao, Ambositra und im Isalo-Gebirge vorkommt und gegen Buschfeuer resistent ist.
Obstbäume
Litschis (litchi
chinensis) sind die einzigen Früchte, die in nennenswerten
Mengen aus Madagaskar exportiert werden. Der Litschibaum stammt
aus China und gehört zur Familie der Seifenbaumgewächse
(Sapindaceae). Die Früchte
des Baums heißen Litschi, Litsch, Lychee oder Litchi.
Madagaskar ist mit einem Marktanteil von 70 Prozent übrigens Europas
wichtigster Lieferant von Litschis. Knapp 100.000 Tonnen der weißfleischigen,
süßen Frucht werden
in Madagaskar jährlich produziert, etwa ein Viertel davon
geht in den Export.
Der Jackfruchtbaum,
Artocarpus heterophyllus, ist ein Maulbeerbaumgewächs, das bis zu 25 m hoch wird mit stärkereichen Fruchtständen (Jackfrüchte). Die Jackfrüchte werden bis zu 40 kg schwer und sind sehr schmackhaft. Allerdings ist es eine riesensauerei diese Früchte zu essen, da das Fruchtfleisch
Der Tamarindenbaum (Tamarindus indica) ist eine Pflanze aus der Unterfamilie der Johannisbrotgewächse (Caesalpinioideae). Nur an besser bewässerten Orten und an Flussufern wachsen ausladende Tamarindenbäume, in denen sich gern die Katta-Lemuren aufhalten und sich die Flughunde zur Ruhe begeben. Das Fruchtmus der Hülsen hat einen sehr herzhaften an Lakritz erinnernden Geschmack und wird als Nahrungsmittel und zur Herstellung von Limonaden, Fruchtsirup u.a. verwendet. Der Baum galt früher als heilig, wie auch der Feigenbaum und der Baobab.
Der Mangobaum,
Mangifera indica, zu den Sumachgewächsen gehörender, in den Tropen verbreiteter bis 40 m hoher Obstbaum. Die länglichen gelben, orangen oder grünen, bis 2 kg schweren wohlschmeckenden Steinfrüchte (Mangos) enthalten viel Vitamin B und A.
Die Papaya (Carica papaya), auch Papayabaum genannt, ist eigentlich gar kein Baum, da ihr Stamm nicht verholzt. Die großen gelben Papayafrüchte sind in Madagaskar häufig anzutreffen. Urprünglich stammt die Papaya wahscheinlich aus Mexiko.
Die Sumachgewächse (Anacardiaceae) kommen mit etwa 40 Arten in Madagaskar vor. Einige Arten liefern eßbare Früchte und Samen, wie die im Norden Madagaskars beliebten Cashew-Nüsse (Anacardium occidentale). Es sind meist immergrüne, verholzende Pflanzen, die auch als Lianen vorkommen können.
Farne, Nestfarne und Baumfarne Madagaskars
Nestfarne (Asplenium
nidus) sind Epiphyten im tropischen Regenwald.
Cycas oder Cycas-Palmfarne sind die einzige Gattung in der Familie der Cycadaceae. Die Samenanlagen sind nicht von Fruchtblättern geschützt.
Heilpflanzen
Die
930 Arten von in Madagaskar heimischen Naturheilpflanzen
werden bereits seit langer Zeit traditionell in der madagassischen
Medizin verwendet. Am bekanntesten wurde das Madagaskar-Immergrün (Catharanthus
roseus), bekannt auch
unter dem Namen Madagascar periwinkle, das
seit seiner Entdeckung 1953 Wirkstoffe zur Krebsbekämpfung
(Leukämie) liefert. Die Pflanze gehört
zur Familie der Apocynaceae und wird im großen
Stil in Madagaskar angebaut (1000 t pro Jahr werden exportiert).
Verwertet werden die Wurzeln und die Blätter der Pflanzen.
Wasserpflanzen
Von den bislang 338 bekannten Arten von Wasserpflanzen sind nur rund 40% endemisch.
Orchideen
Etwa
1000 endemische Orchideenarten werden in Madgaskar gezählt.
Die meisten hier vorkommenden Orchideenarten sind Epiphyten,
das heißt, sie wachsen auf anderen Pflanzen, meist Bäumen,
ohne diesen allerdings Nährstoffe zu entziehen.
Duftpflanzen
Der Ylang-Ylang-Baum (Cananga
odorata) ist ein
Flaschenbaumgewächs, das häufig im Nordwesten Madagaskar und
auf der Insel Nosy-Be anzutreffen ist. Ylang-Ylang ist ein kleiner
Baum, der auf Strauchhöhe gehalten wird, mit großen,
wohlriechenden, zu zweit bis viert in den Blattachseln stehenden
Blüten, aus
denen das ätherische,
fruchtig-blumig riechende Ylang-Ylang-Öl gewonnen wird.
Ein weitere wichtige Duftessenz, die in der Parfumindustrie Verwendung findet, ist der Vanilleduft. Vanille ist ebenfalls eine Orchideenart und wächst unter den gleichen ökologischen Bedingungen wie der Ylang-Ylang.
Weitere Informationen zu: Baobabs - Tiere von Madagaskar - Naturschutzgebiete - Tourismus

Buchtipp für Naturforscher: The Natural History of Madagascar. Ein umfassendes Kompendium über die Tier- und Pflanzenwelt Madagaskars auf 1728 Seiten. Herausgeber: University of Chicago, 2007. Sprache: englisch.