Pachypodium MadagaskarDattel-Palme in Toliara, Madagaskarpandanus, Madagaskarflamboyant, Madagaskar
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Die Pflanzenwelt Madagaskars

Die Pflanzenwelt Madagaskars ist eine der artenreichsten der Welt. Es gibt nach neuesten Schätzungen 12.000 bis 14.000 Pflanzenarten in Madagaskar, von denen mehr als 85% nur auf Madagaskar vorkommen, also hier endemisch sind. Insbesondere die zahlreichen Orchideenarten üben eine unwiderstehliche Anziehungskraft auf die Besucher aus. Aber auch die Sukkulentflora der Trockengebiete ist spektakulär, nicht zuletzt durch die zahlreichen Baobab-Arten. Aber auch viele Palmenarten, Farne, Baumarten und insektenfressende Pflanzen gehören zu den botanischen Highlights der großen Insel.

Etienne de Flacourt, Papagei, Madagaskar, Die Pflanzenwelt Madagaskars wird seit 350 Jahren systematisch erforscht. Bereits im Jahr 1658 veröffentlichte Etienne de Flacourt (1607-1660) sein Werk "L'Histoire de la grande isle Madagascar", in dem er die große Zahl von Vögeln, Fischen, Pflanzen und anderen Kuriositäten bewunderte, die er in Madagaskar antraf. Holländische, englische und französische Forscher folgten ihm nach. Im neunzehnten Jahrhundert und zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts erreichte der Forschungsdrang seinen Höhepunkt. Hier besonders zu nennen ist der französische Naturforscher Alfred Grandidier, der Madagaskar in den Jahren 1865 bis 1870 intensiv bereiste und erforschte. Im Jahre 1929 fand eine große Expedition von französischen und englischen Naturforschern statt. Seit 1989 erforscht der amerikanische Naturforscher Steven M. Goodman die Natur Madagaskars.


Natural History of MadagascarBuchtipp für Naturforscher: The Natural History of Madagascar. Ein umfassendes Kompendium über die Tier- und Pflanzenwelt Madagaskars auf 1728 Seiten. Herausgeber: University of Chicago, 2007. Sprache: englisch.


Hochland MadagaskarDer Flächenteil an intakter ursprünglicher Naturlandschaft nimmt in Madagaskar von Jahr zu Jahr zugunsten der Gewinnung von Ackerland ab. Die letzten intakten Naturlandschaften werden in den zahlreichen Schutzgebieten der Insel erhalten. Große Teile Madagaskars sind heute allerdings mit einer Sekundärvegetation bedeckt, die auch nicht in Madagaskar beheimatete Pflanzen beinhaltet. Insbesondere Eukalyptus wird gerne bei Aufforstungen gepflanzt, da er besonders gut den Buschfeuern widersteht.

 

 

nach obenDie wichtigsten Pflanzenfamilien Madagaskars

alluaudia laroDie mehr als 12.000 Pflanzenarten Madagaskars sind ebenso wie Tierwelt zu einem sehr hohen Prozentsatz endemisch, kommen also nur auf Madagaskar vor. Viele nicht endemische Arten sind in den letzten Jahrhunderten vom Menschen als Nahrungsquelle oder als Schmuckpflanzen nach Madagaskar eingeführt worden.

Hier eine kurze Übersicht der wichtigsten Pflanzenfamilien Madagaskars:

  • Die spektakulärste Pflanzenfamilie der madagassischen Steppenlandschaften ist die der Baobabs oder Affenbrotbäume, die in Madagaskar mit 6 endischen Arten vorkommen. (Zu weiteren Informationen über die Baobabs von Madagaskar...)
  • Die Wolfsmilchgewächse (Euphorbiaceae) sind in Madagskar mit rund 700, meist endemischen Arten vertreten, die sich auf 60 Gattungen aufteilen. Wolfsmilchgewächse finden sich in allen Teilen des Landes, vom Regenwald bis zum Dornenland in unterschiedlichsten Varianten und Wuchsformen. Folgende Gattungen sind besonders verbreitet: Euphorbia mit 170 Arten, Croton mit 150 Arten, Phyllanthus mit 60 Arten, Acalypha mit 22 Arten, Suregada und Macaranga mit jeweils 13 und Amyrea, Claoxylon, Drypetes und Uapaca mit jeweils 10 Arten.
  • Die Hülsenfrüchtler (Leguminosae oder Fabaceae) präsentieren sich in Madagaskar mit 670 Arten, von denen die meisten hier endemisch sind. Hülsenfrüchtler sind sehr variabel und anpassungsfähig. Die Arten reichen von Ackerpflanzen bis hin zu Hartholz wie dem begehrten Rosenholz (Dalbergia). Besonders häufig sind sie im trockenen Westteil Madagaskars anzutreffen. Die drei zahlenmäßig wichtgsten Gattungen sind: Caesalpinioideae mit 86 Arten, Mimosoideae mit 127 Arten und Papilionoideae mit 360 Arten.
  • Die Familie der Sapotengewächse (Sapotaceae) findet sich in Madagaskar mit 84 Arten; die meist strauchartigen Pflanzen zeichnen sich durch klebrigen weißen Pflanzensaft und ungleichmäßigen Wuchs aus. Wichtigster Vertreter ist die Gattung der Mimusops-Gewächse.
  • Die Familie Schwarzmundgewächse (Melastomataceae) gehört zu den myrtenartigen Gewächsen, die in tropischen Gebieten stark verbreitet sind. In Madagaskar sind sie mit 321 Arten vertreten. Die wichtigsen Gattungen sind die Melastome (Melastomae), die Dissochaeteae und Sonerileae.
  • Schraubenpalme im Osten von MadagskarDie alte, noch aus der Kreidezeit stammende Familie der Palmen (Arecaceae) ist in Madagaskar mit rund 170 fast ausschließlich endemischen Arten vertreten. Die wichtigsten Gattungen sind die Coryphoideae, Calamoideae, Ceroxylideae und Arecoideae.
  • Die Gattung der Schraubenbäume (Pandanus) aus der Familie der Schraubenbaumgewächse (Pandanaceae) ist in Madagaskar mit 100 Arten vertreten.
  • die große Familie der Annonengewächse (Annonaceae) gehört zu den Magnolienartigen (Magnoliales). Verschiedene endemische Gattungen finden sich in Madagaskar wie Uvaria und Xylopia.
  • Die Pflanzenfamilie der Balsaminengewächse (Balsaminaceae) gehört zur Ordnung der Heidekrautartigen und ist in Madagaskar mit 150 Arten vertreten. Wichtigster Vertreter dieser Familie sind die Springkräuter (Impatiens)
  • Die Familie der Bambusgewächse (Bambuseae) ist mit 32 Arten vertreten;
  • Winteraceae: diese archaische Pflanzenfamilie ist mit 100 Arten in Madagaskar vertreten; bekanntester Vertreter Takhtajania perrieri.

nach obenDie Regionen Madagaskars und ihre Pflanzen

Kakteenblüte im Osten von MadagaskarBotanisch lässt sich Madagaskar in sechs Regionen unterteilen:

  1. die tropisch-feuchten immergrünen Regenwaldgebiete entlang der Ostküste bedecken einen Streifen von ca. 100 km Breite bis zu einer Höhe von 800 m über dem Meerespiegel, der teilweise abrupt zur Küste abfällt; die jährliche Niederschlagsmengen sind hoch und liegen durchschnittlich bei 2000 mm, im Masoala-Gebiet sogar bei 6000 mm;
  2. das ebenfalls tropisch-immergrüne und fruchtbare Sambirano-Becken im Nordwesten hat ein feucht-tropisches Mikro-Klima mit fast täglichen Niederschägen, das besonders den Anbau von Kakao und Zuckerrohr begünstigt;
  3. das meist karge zentrale Holchland auf Höhenlagen zwischen 800 und 1800 m mit sehr geringen Beständen an Primärwald;
  4. die Bergregionen mit über 1800m Höhenlage im Norden mit dem Tsaratanana- und Marojejy-Gebirge, im Zentrum mit dem Ankaratra- und Vahinankaratra-Gebirge und im Süden mit dem Andringitra- und Andohahelo-Gebirge;
  5. die trockenen Zonen des Westens erstrecken sich über den Westteil und den äußersten Nordteil Madagaskars, unterbrochen vom Sambirano-Becken mit seinem feuchten Mikroklima;
  6. die subariden Wüstengebiete des Südens bilden ein relativ flaches Gebiet mit Dornenwäldern; viele Flüsse führen nur zur Regenzeit Wasser.

Jacaranda Baum in AntananarivoDie botanische Rundreise beginnt in der Hauptstadt Antananarivo. Überall in der Stadt finden sich Jacaranda-Bäume (Jacaranda mimosaefolia), die von September bis November ein violettes Blütenmeer über die ganze Stadt und die Region ziehen. Allerdings sind Jacarandas keine ursprüngliche madagassische Baumart, sondern importiert.

Hochland von MadagaskarDas Hochland um Antananarivo wird vorwiegend für die Landwirtschaft genutzt und wirkt generell recht karg. Der ursprüngliche Waldbestand ist zugunsten der Landwirtschaft in den letzten 150 Jahren fast vollständig verschwunden. Aufgeforstete Waldbestände bestehen meist aus importierten Eukalyptus und Kiefern.

pachypodium horombenseDer südliche Teil des zentralen Hochlandes geht westlich von Fianarantsoa in das Isalo-Gebirge über. In den trockenen Felsgebirgen des Isalo finden sich Pflanzen, die aussehen wie fußballgroße Keramikkrüge, aus denen gelbe Blüten an einem langen Stil wachsen, der pachypodium horombense. Nicht zu verwechseln mit bis zu einem Meter hohen Zwergbaobab, dessen Aussehen durch die Bezeichnung Elefantenfuss gut umschrieben wird. Auch er hat gelbe Blüten.

Didiereaceae im Süden MadagaskarsJe weiter man in Richtung Süden und Westen geht, umso trockener wird das Klima. An der Westküste sind die Affenbrotbäume oder Baobabs die auffälligste Baumart, in Madagaskar Renala genannt. Hier finden sich auch viele Sukkulenten, die zu 99% endemisch sind, wie Pachypodien, Euphorbien und Aloe-Arten.

Mangroven an der Westküste von MadagaskarMadagaskar hat 330.000 ha Mangrovenwälder, 97% davon befinden sich an der Westküste. Damit besitzt Madagaskar das größte Mangrovenvorkommen des westlichen Indischen Ozeans: in Diégo-Suarez, im Mündungsdelta des Betsiboka bei Mahajanga, um Morondava und um Tulear. Mangroven sind Brackwasserpflanzen ertragen Salzwasser und Süsswasser.

WasserhyazintheUnterbrochen wird die Küstenregion durch Sümpfe und Moore, auf denen freischwimmende Pflanzen wachsen. Auch die endemische und fleischfressende Kannenpflanze gedeiht in diesem Umfeld. Die Teiche sind umgeben von einer Sumpflandschaft mit Wasserhyazinthen (madagassisch: tetezanalika). Die interessantesten Süßwasserlandschaften befinden sich im Osten der Insel, parallel zur Küste, wo der Pangalanes-Kanal mit seinen zahlreichen untereinander verbundenen Seen verläuft.

Ravenala Palme im Osten von MadagaskarDer Osten der Insel wird von Norden nach Süden von einer tropisch-feuchten Zone durchzogen, die sich über eine Länge von 1.100 km erstreckt und bis in Höhenlagen von 900 m reicht. Der immergrüne Regenwald dieser Region ist stellenweise immer noch intakt wie zum Beispiel in den Schutzgebieten Ranomafana, Andasibe und im Montagne d'Ambre, die unter dem Oberbegriff Atsinanana von der UNESCO als Weltnaturerbe unter besonderen Schutz gestellt wurden. Hier haben die Bäume häufig Brett- und Stelzwurzeln. Baumfarne geben dem Wald eine urweltliche Dimension. Das dichtverzweigte Wurzelwerk der Baumfarne wird zu dekorativen Blumentöpfen gehauen und am Rande der Straßen verkauft, dadurch sind einzelne Baumfarnarten bereits rar geworden.

coffea: Kaffeepflanze im Norden von MadagskarEine Sonderstellung als eigene Vegetationszone nimmt das Becken von Sambirano und die Insel Nosy Be im sonst trockenen Nordwesten ein. Diese Regionalflora wird durch die hohen Regenfälle ermöglicht, die nördlich der Gebirgszüge des Tsaratanana ein feuchtes Mikroklima erzeugen, ideale Voraussetzungen für den Anbau von Ylang-Ylang, Kakao, Vanille, Zuckerrohr, Kaffee und Pfeffer.

 

 

nach obenDie Sukkulenten Madagaskars

euphorbia in Anakao im Südwesten von MadagaskarNeben den auch in unseren Breiten bekannten Pflanzenfamilien sind in Madagaskar viele sukkulente Arten vertreten. Unter Sukkulenten fasst man die Pflanzenfamilien zusammen, die Pflanzenorgane zur Wasserspeicherung besitzen. Es wird zwischen Blatt-, Stamm- und Wurzelsukkulenten unterschieden, wobei alle Kombinationen möglich sind. Einige aus Amerika stammende Kaktusarten sind ebenfalls nach Madagaskar eingeführt worden, zählen aber nicht zu den endemischen Arten.

Die endemischen Sukkulenten Madagaskars sind unter anderem mit folgenden Gattungen vertreten:

  • pachypodium im Süden von MadagaskarApocynaceae (Hundsgiftgewächse): 13 endemische Arten von Pachypodium, mit Pachypodium brevicaule, Pachypodium rosulatum, Pachypodium horombense, Pachypodium decaryi und Pachypodium rutenbergianum als wichtigsten Vertretern;
  • Araceae (Aronstabgewächse): Typhonodorum lindeleyanum ist die einzige Art ihrer Gattung, eine Wassepflanze mit riesigen Blättern, die in Madagaskar endisch ist;
  • Asphodelaceae (Affodillgewächse): wichtigster Vertreter Aloe (Familie der lilienartige Gewächse) mit 45 Arten in Madagaskar vertreten, unter anderem Aloe helenae, Aloe suzannae, Aloe vahombe, Aloe divaricata;
  • Crassulaceae (Dickblattgewächse): 62 Arten Kalanchoe in Madagaskar;
  • Didiereaceae: Alluaudia, Alluaudiopsis, Calyptrotheca, Ceraria, Decaria, Didieara, Portulacaria
  • Euphorbiaceae (Wolfsmilchgewächse): Didiereaceae wie Alluaudia ascendens und Alluaudia procera; darüberhinaus 170 Arten von Euphorbia, einige mit Stacheln andere mit Blättern ausgestattet, darunter die korallenartigen Arten wie Euphorbia tirucalli; am weitesten verbreitet sind die stacheligen Arten wie Euphorbia milii, Didiereaceai im Süden von MadagaskarEuphorbia decaryi, Euphorbia primulifolia und Euphorbia bosseri; auch die stachellosen Arten wie Euphorbia hedyotoides finden sich in Madagaskar; eine Sonderrolle nehmen die euphorbischen Kletterpflanzen ein wie Delechampia und Tragia;
  • Fabaceae oder Leguminosae (Hülsenfrüchtler): die Gattung Delonix ist mit 9 endemischen Arten in Madagaskar vertreten, darunter der berühmte Flammenbaum Delonix regia;
  • Hyacinthaceae (Hyazinthengewächse): Albuca, Bowiea, Dipcadi, Drimia, Hyacinthus, Lachenalia, Ledebouria, Litanthus, Massonia, Ornithogalum, Rhadamanthus, Rhodocodon, Schizobasis, Urginea, Whiteheadia
  • Malvaceae (Malvengewächse): 7 in Madagaskar endenische Baobabs, Adansonia grandidieri, Adansonia rubrostipa (fony), Adansonia za, Adansonia madagascariensis, Adansonia suarezensis, Adansonia perrieri, Brachychiton, Cavanillesia, Ceiba, Pseudobombax, Sterculia
  • Moringaceae (Moringa): die drei in Madagaskar heimischen Moringa-Arten sind Nutzpflanzen, deren Blätter als Gemüse dienen und aus deren Samen Öl gewonnen wird;
  • Orchidaceae (Orchideen): die 960 Orchideenarten Madagaskars verteilen sich auf 58 Gattungen wie zum Beispiel Angraecum, Cymbidiella, Cynorkis oder Eulophia; Vanilla wurde aus Südamerika importiert;
  • Pedaliaceae (Sesamgewächse): Pterodiscus, Sesamothamnus, Uncarina
  • Piperaceae (Pfeffergewächse) Peperomia

Orchideenblüte im Hochland von Madagaskar

MadagaskarpalmeDie bei uns als Zimmerpflanze bekannte Madagaskar-Palme wird von den Botanikern Pachypodium lamerei genannt. Mit 13 verschiedenen Arten strauchiger oder baumförmiger Sukkulenten ist die Gattung Pachypodium (Familie: Apocynaceae) in Madagaskar vertreten. Die Madagaskar-Palme trägt auf ihrem verdickten Haupttrieb ein kräftiges Dornenkleid. Die Dornen sind in Wirklichkeit Nebenblätter und stehen jeweils zu Dritt in einer Gruppe. Die Familie der Pachypodien umfasst kleine kieselsteinförmige Gewächse wie die Pachypodium bevivcaule, flaschenförmige wie die pachypodium rutembergianum, die als größte ihrer Art bis zu sechs Meter Höhe erreichen kann und deren Blüten stark duften.

Euphorbia milii MadagaskarPachypodium speichert Wasser im verdickten Teil des unteren Stammes (vom griechischen pachýs = dick und podós = Fuß). Es sind Stammsukkulenten, mit charakteristischem, weißem, klebrigem und stark ätzend-giftigem Milchsaft. Dornen treten oft paarweise auf, was die Euphorbia leicht unterscheidbar macht zu den Kakteen mit einem einzelnen Dorn.Alluaudia

Vakona PalmeDie Familie der Aloe-Gewächse mit rund 20 Gattungen und 600 Arten wurde früher zu den Lilien-Gewächsen gezählt. Bekannteste Vertreter sind die Aloen und Haworthien, beides Blattsukkulenten. Die meisten Arten gedeihen auch in leichtem Schatten. Aloen lassen sich ohne Blüten leicht mit Agaven verwechseln, aber die Blätter sind nicht wie bei den Agaven faserig-zäh, sondern weichfleischig und saftig, ein stechender Enddorn fehlt. Einige Aloe-Arten erreichen im Alter baumförmige Ausmasse. Einige Arten werden medizinisch genutzt und sind heute in den ganzen Tropen und Subtropen verbreitet.

Alluaudia procera, Didiereazeae im Süden MadagaskarsSeltsame Gewächse sind die dornigen Didiereaceae, eine den Kakteen ähnliche, jedoch nicht verwandte Pflanzenfamilie. Elf von 20 in Madagaskar heimischen Arten sind hier endemisch. Sie haben lange, rutenartige, verzweigte und blattlose Arme, die wie dornenbestandene Säulen mehrere Meter hoch wachsen. Da auch die Zweige grün sind, können die Pflanzen selbst im blattlosen Zustand Photosynthese betreiben. Ein typischer Vertreter in den Steppenlandschaften Madagaskars Süden ist die alluaudia procera. Innen sind die Arme verholzt. Daher werden diese urwüchsigen Relikte als Baumaterial und Brennholz geschlagen.

SisalSisal (Agave sisalana) gehört zur Pflanzenfamilie der Agavengewächse (Agavaceae), die aus Südamerika importiert wurde. Die Blätter werden maschinell in einem so genannten "Dekortikator" aufbereitet. Danach werden die Fasern auf Trockengestellen ausgebreitet und in der Sonne getrocknet. Dabei werden die Fasern gebleicht. Von allen Agavenarten besitzt die Sisal-Agave die größte wirtschaftliche Bedeutung. 2001 lag die Menge produzierter Sisalfasern weltweit bei 336.000 t. Die Fasern dienen zur Herstellung von Tauen, Bindegarn, Seilen, Fischernetzen, robusten Teppichen, Hängematten und Möbelstoffen.

Flammenbaum Delonix regiaDer Flammenbaum gehört zur Familie der Fabaceae, die weltweit nur 11 Arten umfasst, von denen neun in Madagaskar endemisch sind: Delonix boiviniana (gelblich Blüten), Delonix brachycarpa (gelbe Blüten), delonix decaryi im Süden von MadagaskarDelonix decaryi oder D. adansonioides (flaschenförmiger Stamm ähnlich wie Baobabs), Delonix floribunda (gelbe Blüten), Delonix leucantha (weiße Blüten), Delonix pumila (weiße Blüten), Delonix regia (weiße und rote Blüten), Delonix tomentosa (weiße Blüten) und Delonix velutina (Baum mit weißen Blüten wird zur Herstellung von Einbäumen benutzt).

 

 

 

nach obenDie Palmenarten Madagaskars

Raphia fariniferaMadagaskar beheimatet über 170 Palmenarten, von denen 166 in Madagaskar endemisch sind. Palmen sind in Madagaskar ein wichtiger Rohstofflieferant sowohl beim Hausbau, wo die Blätter und Fasern bei Dachkonstruktionen verwendet werden, als auch als Nahrungslieferant in Form von Palmherzen, Früchten oder Fruchtfleisch, aus denen Palmwein und Öle gewonnen werden.

Palme im Hochland von MadagaskarAm bekanntesten ist die madegassische Raffiapalme. Das Wort Raffia ist madagassisch und eines der wenigen Wörter, das in die deutsche Sprache Einzug gefunden hat. Raffiapalmen werden bis zu 20 m hoch, die Palmkronen tragen bis zu 15 m lange und bis zu 3 m breite Fiederblätter. Die jungen, noch nicht entfalteten Blätter sind vom Raffiabast überzogen, der abgetrennt, getrocknet und in Ballen verpackt wird. Raphiafasern sind von großer Festigkeit und Dehnbarkeit. Sie sind 1,5 bis 1,8 m lang und 0,04 m breit.

Pandanus Schraubenpalme im OstenDie Bastpalme oder Raffiapalme (Raphia farinifera) liefert als Rohstofflieferant Material für viele Zwecke. An der Ostküste werden noch heute aus den dünnen Fasern Hemden und Blusen geflochten. Die Häuser werden mit den Blättern der Raphia gedeckt, zudem kann aus der Pflanze Alkohol und Wachs gewonnen werden. Raffia gehört zu den Palmfasern und wird auch unter der Bezeichnung Raffiabast gehandelt.

Die Schraubenpalme Pandanus aus der Familie der Pandanaceae ist in Madagaskar mit 100 Arten vertreten, unter anderem mit dem pandanus utilis. Ihre Blätter werden zum Decken von Dächern verwendet. Die Schraubenpalmen werden zwischen 3 m und 15 m hoch.

Kokospalme in MadagaskarDie Kokospalme (Cocos nucifera) wird bis zu 30m hoch. Die Fasern der Fruchtwand werden zur Herstellung von Seilen und Matten verwendet, Endknospen und Blätter als Palmkohl gegessen; der nach Abschneiden des Blütenstandes austretende Saft ergibt vergoren Palmwein.

 

Dattelpalme in ToliaraDie Dattelpalme (Phoenix dactylifera) wird bis zu 30m hoch. Der weibliche Baum trägt Büschel 45 cm langer, im Reifezustand dunkelroter oder gelber, zuckerreicher Beerenfrüchte. Die Jahresernte pro Baum beträgt zwischen 50 und 150 kg an Früchten (Datteln).

Ravenala Palme MadagaskarDie zu den Bananengewächsen zählende Ravenala ("Blatt des Waldes" oder "Baum des Reisenden"; botanich: Ravenala madagascariensis) fächert über ihrem Stamm rund ein Dutzend bananenblätterartige, langstielige Blätter auf und wird 3 - 6 m hoch. Die stille Harmonie der Blätterfächer machte die Ravenala zum Nationalgewächs Madagaskars. Stamm und Blätter der Ravenala werden an der Ostküste zum Häuserbau benutzt.

Im Jahre 2005 wurde im Nordwesten Madagaskars eine neue Palmenart entdeckt, mit wissenschaftlichem Namen Tahina spactabilis. Das mit 20 m Höhe riesige Gewächs fiel einem Forscher erst auf, als es nach 100 Jahren zum ersten Mal zum Blühen begann, einen riesigen senkrechten Trieb mit tausenden von Blüten und dann Früchte hervorbrachte und schließlich starb. Gentests konnten die Palme als eigene neue Art bestätigen. Es wird vermutet, dass es heute nur noch wenige Exemplare dieser seltsamen Palmenart in Madagaskar gibt.

Baumarten Madagakars

Nach aktuellen Schätzungen von Umweltorganisationen finden sich in Madagaskar etwa 4200 endemische Baumarten, zu denen auch zahlreiche tropische Edelholzarten zählen wie Palisander, Eben- und Rosenholz. Bewaldete Zonen beschränken sich heute auf die großen Schutzgebiete und deren Umgebung im Osten Norden von Madagaskar.

Seit dem gewaltsamen Regierungswechsel im Jahre 2009 wird die unklare politische Situation ausgenutzt und ein Raubbau insbesondere der edlen Rosen- und Ebenhölzer im Nordosten von Madagskar hat begonnen. Drei Arten werden zu den besonders harten Rosenhölzern gezählt : Dalbergia baronii, Dalbergia louvelii und Dalbergia madagascariensis (Familie: Leguminosae). Der Begriff Rosenholz nimmt bezug auf die dunkelrote Färbung dieser in Madagaskar endemischen Arten. Die Bezeichnung Ebenholz bezieht sich auf verschiedene Arten von Diospyros (Familie : Ebenaceae), die eine feine Körnung aufweisen und sehr schwer sind. Diese ökonomisch wertvollen Holzarten kommen vor allem in der Region von SAVA im äußersten Nordosten von Madagaskar im Bereich von Makira-Masoala vor.

Eine große Familie innerhalb der Baumarten bilden die Hülsenfrüchtler (Leguminosae oder Fabaceae), die in Madagaskar mit 667 endemischen Arten zu finden sind.

Der Tapiabaum Uapaca bojeri (madagassisch: tapia) ist ein 10 bis 12 m hoher Baum, der in Höhenlagen ab 800 m in der Region von Ambalavao, Ambositra und im Isalo-Gebirge vorkommt und gegen Buschfeuer resistent ist.

Obstbäume

Litchi Baum im Osten von MadagaskarLitschis (litchi chinensis) sind die einzigen Früchte, die in nennenswerten Mengen aus Madagaskar exportiert werden. Der Litschibaum stammt aus China und gehört zur Familie der Seifenbaumgewächse (Sapindaceae). Die Früchte des Baums heißen Litschi, Litsch, Lychee oder Litchi. Madagaskar ist mit einem Marktanteil von 70 Prozent übrigens Europas wichtigster Lieferant von Litschis. Knapp 100.000 Tonnen der weißfleischigen, süßen Frucht werden in Madagaskar jährlich produziert, etwa ein Viertel davon geht in den Export.

Jackfruchtbaum, MadagaskarDer Jackfruchtbaum, Artocarpus heterophyllus, ist ein Maulbeerbaumgewächs, das bis zu 25 m hoch wird mit stärkereichen Fruchtständen (Jackfrüchte). Die Jackfrüchte werden bis zu 40 kg schwer und sind sehr schmackhaft. Allerdings ist es eine riesensauerei diese Früchte zu essen, da das Fruchtfleisch

Der Tamarindenbaum (Tamarindus indica) ist eine Pflanze aus der Unterfamilie der Johannisbrotgewächse (Caesalpinioideae). Nur an besser bewässerten Orten und an Flussufern wachsen ausladende Tamarindenbäume, in denen sich gern die Katta-Lemuren aufhalten und sich die Flughunde zur Ruhe begeben. Das Fruchtmus der Hülsen hat einen sehr herzhaften an Lakritz erinnernden Geschmack und wird als Nahrungsmittel und zur Herstellung von Limonaden, Fruchtsirup u.a. verwendet. Der Baum galt früher als heilig, wie auch der Feigenbaum und der Baobab.

Mango (Mangifera indica) Mangobaum AmbanjaDer Mangobaum, Mangifera indica, zu den Sumachgewächsen gehörender, in den Tropen verbreiteter bis 40 m hoher Obstbaum. Die länglichen gelben, orangen oder grünen, bis 2 kg schweren wohlschmeckenden Steinfrüchte (Mangos) enthalten viel Vitamin B und A.

Papaya-Pflanze (Carica papaya), MadagaskarDie Papaya (Carica papaya), auch Papayabaum genannt, ist eigentlich gar kein Baum, da ihr Stamm nicht verholzt. Die großen gelben Papayafrüchte sind in Madagaskar häufig anzutreffen. Urprünglich stammt die Papaya wahscheinlich aus Mexiko.

Die Sumachgewächse (Anacardiaceae) kommen mit etwa 40 Arten in Madagaskar vor. Einige Arten liefern eßbare Früchte und Samen, wie die im Norden Madagaskars beliebten Cashew-Nüsse (Anacardium occidentale). Es sind meist immergrüne, verholzende Pflanzen, die auch als Lianen vorkommen können.

 

Farne, Nestfarne und Baumfarne Madagaskars

Nestfarn im Norden von MadagaskarNestfarne (Asplenium nidus) sind Epiphyten im tropischen Regenwald.

Cycas oder Cycas-Palmfarne sind die einzige Gattung in der Familie der Cycadaceae. Die Samenanlagen sind nicht von Fruchtblättern geschützt.

 

Heilpflanzen

Madagaskar-Immergrün (pervenche de Madagascar), catharanthus roseusDie 930 Arten von in Madagaskar heimischen Naturheilpflanzen werden bereits seit langer Zeit traditionell in der madagassischen Medizin verwendet. Am bekanntesten wurde das Madagaskar-Immergrün (Catharanthus roseus), bekannt auch unter dem Namen Madagascar periwinkle, das seit seiner Entdeckung 1953 Wirkstoffe zur Krebsbekämpfung (Leukämie) liefert. Die Pflanze gehört zur Familie der Apocynaceae und wird im großen Stil in Madagaskar angebaut (1000 t pro Jahr werden exportiert). Verwertet werden die Wurzeln und die Blätter der Pflanzen.

nach obenWasserpflanzen

Von den bislang 338 bekannten Arten von Wasserpflanzen sind nur rund 40% endemisch.

 

Orchideen

Orchidee im Urwald von MadagaskarEtwa 1000 endemische Orchideenarten werden in Madgaskar gezählt. Die meisten hier vorkommenden Orchideenarten sind Epiphyten, das heißt, sie wachsen auf anderen Pflanzen, meist Bäumen, ohne diesen allerdings Nährstoffe zu entziehen.

 

 

 

nach obenDuftpflanzen

Ylang-Ylang Blüte im Nordosten von MadagaskarDer Ylang-Ylang-Baum (Cananga odorata) ist ein Flaschenbaumgewächs, das häufig im Nordwesten Madagaskar und auf der Insel Nosy-Be anzutreffen ist. Ylang-Ylang ist ein kleiner Baum, der auf Strauchhöhe gehalten wird, mit großen, wohlriechenden, zu zweit bis viert in den Blattachseln stehenden Blüten, aus denen das ätherische, fruchtig-blumig riechende Ylang-Ylang-Öl gewonnen wird.

Ein weitere wichtige Duftessenz, die in der Parfumindustrie Verwendung findet, ist der Vanilleduft. Vanille ist ebenfalls eine Orchideenart und wächst unter den gleichen ökologischen Bedingungen wie der Ylang-Ylang.

 

 

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