Tsingy von Bemaraha, MadagaskarFischer MadagaskarBaobab mit Hütte im Osten von MadagaskarMädchen am Strand im Osten von MadagaskarSonnenuntergang im Osten von Madagaskar
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Der Westen Madagaskars

Der weite Westen Madagaskars ist die am wenigsten erschlossene Region der großen Insel. Das Klima ist wechselfeucht und die Landschaften sind von Trockensavannen mit ausgedehnten Baobab- und Sukkulentenwäldern durchzogen. Die große ethnische Gruppe im Westen ist die der Sakalava. Die zahlreichen Naturschutzgebiete, darunter die weltberühmten Tsingys im Naturpark von Bemarha, sind nur schwer zugänglich.

Morondava FischerbootVom zentralen Hochland her fallen die Landschaften relativ sanft zur Westküste ab, die in weiten Strecken mit Mangrovenwäldern bedeckt ist. Nur wenige, eher flache Gebirgszüge durchziehen den Westen; besonders zu erwähnen das Bemaraha Plateau mit den berühmten Tsingys. Die Landschaften ähneln denen im Süden: Trockensteppen mit Sukkulenten und Waldgebiete mit Misch- und Baobabwäldern. Der ursprüngliche Waldbestand wird durch Präriefeuer und Brandrodung von Jahr zu Jahr mehr dezimiert. Der nachwachsende Pflanzenteppich der Savannen wird oft von der Satra-Palme (Hyphaeneae) dominiert, deren Holz wiederum zum Bauen von Hütten verwendet wird.

Baobabwald bei MorondavaDie Provinz Mahajanga ist mit 1,5 Mio. Einwohnern nur dünn besiedelt (10 Pers./km²), macht aber mit 150.000 km² ein Viertel der Fläche Madagaskars aus. Die Provinz teilt sich in drei Zonen: eine Bergregion im Nordosten, die landwirtschaftlich und industriell aktive Tiefebene um Mahajanga und die dünn besiedelten Rindergebiete im mittleren Südosten.

MorondavaDie Hauptstadt der Westprovinz Madagaskars ist das mulitkulturelle Mahajanga (alte französiche Bezeichnung: Majunga) am nördlichen Abschnitt der Westküste. Weitere große Städte an der Westküste Madagaskars sind von Süden nach Norden: Morombe, Morondava, der Badeort, und Maintiranao. Maevatana liegt landeinwärts in den nordwestlichen Ausläufern des Hochlandes.

Die wichtigsten Siedlungsräume des Westens sind das Boina (nördliches Sakalavaland) und die Randniederungen am Unterlauf des Betsiboka, das Delta des südlichen Mahavavy und die Kalkplateaus von Ankara und Kelifely. Das Menabe ist das südliche Sakalavaland mit dem Bemarahaplateau und Randniederungen im Mündungsgebiet des Manambolo, des Tsiribihina, des Morondava und des Mangoky.

Baobab Allee im Westen von MadagaskarStraßentechnisch ist der Westen Madagaskar so gut wie gar nicht erschlossen. Von der Hauptstadt Antananariovo aus führen zwar zwei einigermaßen gut ausgebaute Straßen in Richtung Westküste nach Morondava (720 km) und nach Mahajanga, aber eine gute Verbindung von Norden nach Süden existiert nicht. Dafür garantieren aber gute Flugverbindungen die Erreichbarkeit der großen Städte des Westens mit täglichen Verbindungen nach Morondava und Mahajanga.

Eine interessante Möglichkeit, die Westküste zu erreichen, ist eine Fahrt mit dem Auto oder Buschtaxi über Antsirabe nach Miandrivazo, von wo aus man mit einem Boot über den Mahajilo-Fluss zum Tsiribihina gelangen kann, der das ganze Jahr über befahrbar ist. Einige Boote bieten hier je nach Wetterbedingungen die Möglichkeit, in 3-8 Tagen zur Westküste nach Belo Tsiribihina zu gelangen. (Auskunft geben Reisebüros in Antananarivo, z.B. Tropica Touring in der Avenue de l'Indépendance)

nach obenKlima und Landwirtschaft im Westen

Mahajanga ReisfelderDas Klima im Westen Madagaskars ist wechselfeucht mit Trockenperioden im madagassischen Winter und kann als subhumides Tropenklima klassifiziert werden. Zum Süden hin wird es zunehmend trockener. Die meist vom Osten herkommenden Winde regnen sich an den zentralen Bergmassiven ab. Die Regionen des Westens weisen Jahresdurchschnittstemperaturen von 25°C bis 27°C auf bei jährlichen Niederschlagsmengen im nördlichen Abschnitt von 1000 mm bis 1500 mm pro Jahr (vergleichbare Jahreswerte in Deutschland liegen bei 9°C bis 10°C und unter 900 mm Niederschlag).

Die Reisebenen des Westens, die vor allem von den Einwanderern aus dem Hochland unterhalten werden, beherrschen die landwirtschaftlichen Flächen. Daneben werden auch Zwiebeln, Tomaten, Zuckerrohr, Tabak und Baumwolle angebaut. Darüberhinaus kommen auf jeden Bewohner der Westprovinz mehrere Buckelrinder. Auch wilde Rinder durchstreifen die Ebenen der Provinz.

nach obenMahajanga und der Nordwesten

Mahajanga StrandpromenadeKarte vom WestenMahajanga (alter französischer Name: Majunga) ist Provinhauptstadt der gleichnamigen Westprovinz und liegt an der Mündung des Flusses Betsiboka in der Bucht von Bombetoka. Der Name Mahajanga bedeutet "die heilende Stadt". Als Hafenstadt beherbergt Mahajanga seit jeher eine bunte Mischung an Völkern: Araber, Afrikaner, Inder, Bewohner der Komoren und nicht zuletzt Europäer haben die Stadt geprägt.

Baobab in MahajangaMahajanga ist der zweitgrößte Hafen Madagaskars, besitzt aber keine eigenen Ladekais. Die Schiffe werden auf hoher See entladen. An der Uferpromenade steht einer der größten und ältesten Baobabs Madagaskars mit mehreren Metern Durchmesser und einem Umfang von 12 Metern.

Tägliche Flugverbindungen zur Hauptstadt Antanananarivo machen die Hafenstadt zu einem leicht erreichbaren Reiseziel. Bademöglichkeiten bestehen im Stadtgebiet von Mahajanga nicht. Aber nur wenige Kilometer außerhalb der Stadt in Richtung Norden gibt es Strände, Hotelanlagen mit Swimming-Pools und auch mehrere Bungalow-Hotels.

Eine neue komfortable Hotelanlage, das Antsanitia Resort, ist im Jahr 2006 25 km nördlich von Mahajanga entstanden (–› www.antsanitia.com). Die Anlage befindet sich an der Einbuchtung des Flusses Morira.

In der Stadtmitte von Mahajanga in der Nähe des Hafens findet man das alte koloniale Hotel de France, neu renoviert mit klimatisierten Zimmern und das ebenfalls zentral gelegene etwas günstigere Anjary Hotel. 10 km nördlich am Strand von Amborovy das Hotel Zahamotel.

 

Ausflugsziele außerhalb von Mahajanga

Die immense Einmündung des Bebsiboka-Flusses, an dessen Ufern Mahajanga liegt, kann man zweimal täglich mit einer Transportfähre überqueren. Auf diese Weise gelangt man zur Ortschaft Katsepy, Ausgangspunkt für Ausflüge in die südlich gelegenen kaum erschlossenen Regionen.

150 km weiter südwestlich gelangt man zur Baly-Bucht, ein Naturrefugium und Nationalpark, der bis heute kaum bekannt ist. Die an Attraktionen reiche Bucht bietet neben Traumstränden und Mangrovenwäldern auch Urwälder und Seen. Die kleine Hafenstadt Soalala in der Bucht verfügt über einen eigenen Regionalflughafen.

Diskothek MilordAuf der Straße nach Nordosten gelangt man nach 72 km zu den Grotten von Andranokobaka, deren Zugang allerdings je nach aktuellem Straßenzustand mehr oder weniger schwierig ist (Fahrtzeit ca. 2-3 Stunden). Die Grotten, die auch als Grotten von Anjohibe bekannt sind, erstrecken sich über zwei Hügel mit mehr als 5 km langen Gängen und haben eine Vielzahl von Eingängen.

Auf der Straße Richtung Südosten, die nach Antananarivo führt, gelangt man nach 94 km zur Ortschaft Marovoay ("dort wo es viele Krokodile gibt"). Dieser Ort war bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts die Hauptstadt des Königsreichs Boina der Sakalava, deren Einflussbereich sich über den gesamten Westen Madagaskars erstreckte.

Nicht weit von Marovoay, ebenfalls an der Straße nach Antananarivo liegt der Naturpark von Ankarafantsika in einer touristisch nur wenig erschlossenen Gegend, der unter anderem 38 Reptilien-, über 100 Vogelarten, 6 Lemurenarten und eine Aufzuchstation für bedrohte endemische Schildkrötenarten wie die Geochelone yniphora und Pyxis planicaudia beheimatet. In einem kleinen See nördlich der Hauptstraße leben einige Krokodile. (weitere Informationen zum –› Naturpark von Ankarantsika)

Etwas weiter in Richtung Antananarivo liegt der Ort Maevatana ("das schöne Dorf") ungefähr auf halber Strecke von Antananarivo nach Mahajanga.

nach obenMorondava und der "mittlere" Westen

Fischerfrauen in Morondava MorondavaMorondava, "an den langen Ufern", die Hauptstadt des alten Sakalava-Königreichs von Menabe liegt südlich der Einmündung des Flusses Morondava in den Kanal von Mozambik. Bereits im 17. Jahrhundert landeten portigiesische und in der Folgezeit auch holländische Seefahrer an diesem Ort. Ein reger Handel von Sklaven gegen Feuerwaffen entstand.

Morondava kann von Antananarivo aus mit dem Buschtaxi oder Flugzeug erreicht werden und ist eine gemütliche kleine Küstenstadt und hat einen kleinen Strand mit einigen Bungalow-Hotels.

Von Morondava aus empfehlen sich folgende Tagesausflüge in die Umgebung:

  • Die königlichen Gräber in Mahabo (42 km) und Befotaka östlich von Morondava;
  • Der Wald und das Schutzgebiet von Kirindy (60 km) an der Küste im Norden; das auch als Schweizer Wald bekannte Schutzgebiet beherbergt zahlreich Tier- und Pflanzenarten;
  • Allée der Baobabs (19 km) und das Reservat von Andranomena;

Nördlich von Morondava liegt der Ort Belo Tsiribihina an der Mündung des großen Flusses Tsiribihana. Über Belo Tsiribihina gelangt man nach Bekopaka zum Eingang des Schutzgebietes von Bemaraha mit den weltberühmten Tsingys. (Informationen zum –› Schutzgebiet von Bemaraha)

Goellane Küstenschiff MadagaskarsBelo (sur mer) liegt 80 km südlich von Morondava und kann nur während der Trockenzeit auf dem Landweg, sonst auf dem Seeweg erreicht werden. Belo sur Mer ist berühmt für seine traditionellen Schiffswerften, die große Lastensegler heute noch komplett aus Holz ohne ein einziges Element aus Metall herstellen. Diese, in der Regel nicht motorisierten Transportboote können zwischen 70 t und 160 t Fracht transportieren.

Das Hotel Marina de Belo hat 11 Bungalows.

nach obenEthnische Gruppen der Westküste Madagaskars

Die Sakalava sind die dominierende Bevölkerungsgruppe des Westteils der roten Insel. Dieses dunkehäutige halbnomadische Volk, das zumeist vom Fischfang lebt, stammt ursprünglich von afrikanischen Bantu ab. In der Vergangenheit, bis zum ausgehenden 19. Jahrhundert, bildeten die Sakalava zwei eigenständige und mächtige Königreiche: das Reich von Menabe im nördlichen Becken von Mahajanga und Boina im Becken von Morondava weiter südlich.

Bei den Sakalava sind die Grabstätten (doany) von einem Palisanderzaun umgeben und werden auch heute noch von einem Wächter (vatobe) bewacht. Der Totenkult der Sakalava heißt fitampoha (Waschung der Reliquien). In tromba genannten Zeremonien nehmen die in Trance fallenden Lebenden etwa alle zehn Jahre Kontakt mit ihren toten Vorfahren auf.

Die nomadisch lebenden Vezo im südlichen Abschnitt der Westküste leben als Fischer.

nach obenNaturschutzgebiete im Westen Madagaskars

Zahlreiche Naturschutzgebiete wurden im Westen gegründet. Viele sind allerdings nur schwer zugänglich. (–› Gesamtliste der Schutzgebiete)

  • Ambohijanahary: Naturreservat Ambohijanahary •  24.400 ha großes Schutzgebiet an der Westküste an der Straße von Tsiroanomandidy nach Maintirano; Hotels in Tsiroanomandidy und Maintirano
  • Ampijoroa: Reservat für Schildkröten •  kleines Reservat südwestlich von Mahajanga zur Aufzucht und zum Schutz von seltenen Schildkrötenarten
  • Andranomena: Naturreservat (Réserve spéciale) Andranomena •  6.420 ha Naturpark 30 km nördlich von Morondava an der Westküste; nachtaktive Lemurenarten, Reptilien; Hotel in Morondava
  • Ankarafantsika: Nationalpark Ankarafantsika •  135.000 ha; 78 km von Mahajanga an der Straße nach Antananarivo, mit Zeltplatz; 20.000 ha Trockenwald, 38 Reptilarten, 101 Vogelarten, 7 Lemurenarten, mehrere Arten Süßwasserschildkröten, Zuchtstation für Schildkröten der seltenen Art Geochelone Yniphora; das Schutzgebiet wird zum Teil mit deutschen Mitteln unterhalten; im Ravelobe-See leben Krokodilen; Ankaranfantsika wurde im April 2006 von Bundespräsident Köhler anlässlich seiner Madagsakarreise besucht; ein Besuch des Parks ist von Mahajanga aus möglich, wo sich zahlreiche Hotels befinden. (weitere Informationen zum –› Ankarafantsika Nationalpark)
  • Baie de Baly: Nationalpark Baie de Baly •  57.142 ha 150 km südlich von Mahajanga an der Westküste; seltene Schildkröten und Madagaskar-Seeadler; Hotels in Soalala;
  • Tsingy von BemarahaBemaraha: Naturreservat Bemaraha •  85.370 ha an der Westküste in der Gegend von Antsingy; kalkhaltiges Gestein, Grotten, Chamäleons, Vögel, Lemuren; Hotels in Bekopaka und Andadoany. Besondere Attraktion dieses Schutzgebietes sind die tsingy: ein einzigartiges Gesteinsphänomen aus Kalksteinkarst. Der Naturpark von Bemaraha gehöhrt zum Weltnaturerbe und steht unter besonderem Schutz der UNESCO (weitere Informationen zum –› Bemaraha Nationalpark)
  • Bemarivo: Naturreservat (Réserve spéciale) Bemarivo •  13.269 ha südlich von Mahajanga an der Westküste 12 km von Besalampy und 5 km von der Küste entfernt
  • Bora: Naturreservat Bora •  135.500 ha nordüstlich von Mahajanga; Schildkröten, Vögel; Hotels in Antsohiny und Bealanana
  • Kasijy: Naturreservat Kasijy •  24.011 ha großes Reservat südlich von Mahajanga; schwer zugängliches Gebiet;
  • Baobabwald bei MorondavaKirindy: Nationalpark Kirindy (Forèt de Kirindy) •  72.200 ha großes Reservat 70 km nördlich von Morondava an der Westküste Madagaskars; Hotels in Belo sur Mer
  • Maningoza: Naturreservat Maningoza •  9.826 ha südlich von Mahajanga
  • Marotandrano: Naturreservat Marotandrano •  42.200 ha östlich von Mahajanga, Waldgebiet
  • Namoroka: Nationalpark Namoroka •  22.227 ha großer Nationalpark mit Tsingys südlich von Mahajanga
  • Tampoketsa-Analamaintso: Naturreservat Tampoketsa-Analamaintso •  21.742 ha östlich von Mahajanga; Tsingy; Zugang schwierig;
Weitere Informationen: Norden - Süden - Osten - Hochland - Antananarivo

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