Wirtschafts- und Produktionsdaten aus Madagaskar
Die wenigen Großunternehmen Madagaskars konzentrieren sich auf die Bereiche der Textilindustrie und des Bergbaus. Der größte Sektor ist der Dienstleistungssektor. Auch der Export von Holz und anderen Naturprodukten schlägt sich in der Eportbilanz nieder. Internationale Hilfsprojekte versuchen alternative und lokale Energieversorgung mit Windkraftwerken und Solarenergie zu installieren. Neue Einnahmequellen verspricht sich der Staat durch das Verpachten von Ackerbauflächen an reiche Industrieländer.
Nach der Beendigung der sozialistisch-kommunistischen Regierungsperiode 1992 wurde die Privatisierung von vormals staatlichen Unternehmen vorangetrieben. Die Weltbank unterstützte Projekte in Madagskar und ein kleiner wirtschaftlicher Aufschwung begann. Trotzdem gehört Madagaskar nach wie vor zu den wirtschaftlich schwächsten Regionen der Welt. 2009 lag das Brutto-Inlandsprodukt bei 9,3 Mrd. US$ mit einem durchschnittlichen Wachstum von rund 8%.
Das Bruttosozialprodukt ordnet Madagaskar unter die 30 ärmsten Länder der Welt ein. Etwa die Hälfte der 20 Mio. Einwohner zählenden Bevölkerung lebt unter der Armutsgrenze, verfügt also über ein Tageseinkommen von weniger als 1,2 US$.
Das Bruttoinlandsprodukt wird zum größten Teil durch Dientleistungen erwirtschaftet (61%), gefolgt von der Landwirtschaft (26%) und dem Industriesektor mit einem Anteil von 15%. Bislang trägt der Bergbau nur rund 4% zum Bruttoinlandsprodukt bei, bis 2012 könnten es 14% sein, wenn die unten aufgeführten Bergbauprojekte realisiert sind.
Der Warenaustausch mit Deutschland ist mit rund 50,0 Mio. US$ recht gering, womit Deutschland gerade einmal einen Anteil von knapp 2% am Handelsaustausch Madagaskars hat. Das größte Handelsvolumen erreicht Madagaskar mit Frankreich (32%), China (13%) und Hongkong (10%). An erster Stelle der exportierten Güter stehen Textilerzeugnisse, gefolgt von Gewürzen Vanille und Nelken. Ein zunehmend bedeutender Wirtschaftszweig ist die Fischzucht und der Fischfang. Hauptabnehmer sind hier die USA und Frankreich.
Bergbau und Mineralförderung
Neue Einnahmequellen verspricht sich der madagassische Staat vom Abbau von
Mineralerzen. Die vielen ungenutzten Reserven an Bauxit, Kohle, Titaneisenerz, Kupfer, Kobalt und Nickel locken Bergbaufirmen aus der ganzen Welt an. Insbesondere die Unternehmen Sumitomo, Rio Tinto und Sherritt sind hier sehr aktiv. Die Anfang 2009 stark gesunkenen Rohstoffpreise gefährden allerdings neue
Bergbauprojekte in Madagaskar. Mehrere Vorhaben könnten mangels Investoreninteresse
auf Eis gelegt werden.
In der Region Tulear im Südwesten Madagaskars etwa werden eine Reihe von Bergbauprojekten erwogen, die sich allerdings noch nicht in einer konkreten Phase befinden. Dort sind zum Bespiel zwei größere Kohlevorkommen etwa 100 km östlich von Tulear, wo bis zu 20 Mio t Kohle abgebaut werden könnten. Zu den möglichen Investoren dort zählen die Madagascar Consolidated Mining und die Straits Asia aus Singapur sowie Pan African Mining. Ebenfalls in der Region erwägt die kanadische Sherritt die Ausbeutung von Kalkvorkommen, die es für seine Nickelverarbeitung in Tamatave benötigt. Die potenziellen Investoren diskutieren derzeit darüber, ob sie einen kleinen Verschiffungshafen 30 km südlich von Tulear bauen. Das vorgelagerte Korallenriff soll dem Vernehmen nach erhalten werden.
Ilmenit ist ein Titaneisenerz und ist in dem schwarzen Küstensand der südlichen und östlichen Küsten enthalten. Titan ist ein wichtiges Grundmaterial weißer Industriefarben. Die staatlichen Einnahmen durch den Abbau von Zirkon und Titanoxid sollen in den nächsten Jahre auf 600Mio. US$ jährlich ansteigen. Ein Großprojekt östlich der Stadt Tolanaro an der Südostküste von Madagaskar wird von der kanadischen Gruppe QIT, die zu Rio Tinto gehört, geleitet. Die Reserven werden auf 67 Mio. t Ilemenit und auf 3 Mio. t Zirkon geschätzt. Die Lebensdauer der Mine wird auf 27 Jahre geschätzt.
Im Wald von Ambatovy in unmittelbarer Nähe der Schutzgebiete von Andisabe wird seit 2007 eine Nickel-Mine aufgebaut, mit einem Investitionsvolumen von 3,3 Mrd. USD eine der größten der Welt. Die Investitionen sollen der Entwicklung einer Mine, verschiedener Schmelzen und der Transportlogistik gelten. Der Produktionsbeginn ist für die zweite Hälfte 2010 geplant, die volle Kapazität soll die Anlage Anfang 2013 erreichrn. Betreiber sind die kanadische Firma Sherritt und die japanische Sumitomo Corporation. Abgebaut werden sollen 60.000 t Nickel, 5.600 t Kobalt und 190.000 t Ammonium-Sulfat. Eine große breite Fahrtrasse durchschneidet schon jetzt den Regenwald, begleitet von einer 200 km langen Pipeline für Wasserversogung. Nickel ist ein Metall, das zur Herstellung von Münzen genutzt wird. (Weitere Informationen auf Internetseite von Sumitomo www.sumitomocorp.co.jp)
Windenergie für Madagaskar
Das Projekt Mad'Eol betreibt die Elektrifizierung mit Hilfe von Windernergieanlagen in einer ganzen Region mit 15 Dörfern und rund 30.000 Einwohnern. In den beiden Fischerdörfern Ambolobozokely und Ambolobozobe machten sich vier Teams an die Arbeit und installierten innerhalb von drei Monaten in rund 500 Häusern Steckdosen, Schalter und Stromsparlampen. Die Erfahrungen der ersten Etappe der Pilot-Windregion werden von Mad’Eole zu einem Manual für vergleichbare Länder und deren ländliche Elektrifizierung verarbeitet. (Mehr Informationen zu Madeol: reset.to/projekte/madeole
Südkoreanischer Konzern übernimmt große Flächen in Madagaskar
Reiche Ölstaaten und boomende Schwellenländer sichern sich weltweit immer mehr Agrarflächen, Abbaugebiete für seltene Rohstoffe und exklusive Lizenzen für die eigene Ölversorgung. Experten schätzen, dass allein in Afrika innerhalb von drei Jahren rund 20 Millionen Hektar an ausländische Investoren gegangen sind. Unter denen, besonders brisant, befinden sich immer öfter auch staatliche Akteure. Jacques Diouf, der Chef der Welternährungsorganisation FAO, warnt daher bereits vor einem „Neokolonialismus“ und neuen Abhängigkeiten in der Weltwirtschaft.
Die meisten Käufer kommen aus Europa. Mindestens zwei Millionen Hektar Land haben ausländische Investoren zwischen 2004 und 2009 allein in Äthiopien, Ghana, Madagaskar und Mali erworben. Das zeigt eine Studie des britischen Forschungsinstituts "International Institute for Environment and Development" (IIED). «Prozentual mag das nicht viel erscheinen, aber häufig handelt es sich um das beste, fruchtbarste Land», unterstreicht IIED-Direktorin Camilla Toulmin. Auch europäische Firmen sind unter den Käufern. «Bisher war meist von asiatischen Investoren die Rede», sagt Toulmin. «Aber das ist ein falsches Bild.» In Madagaskar werden 19 Prozent des aufgekauften Landes von Asiaten, elf Prozent von Nahost-Investoren kontrolliert. Stolze 70 Prozent wurden von europäischen Unternehmen gekauft
Im Jahre 2008 wurde ein Vertrag zwischen Madagaskar und der koreanischen Daewoo geschlossen, der für 99 Jahre die Nutzung von 13.000 Quadratkilometer Land (dies entspricht 1,3 Mio. ha und damit der Hälfte des Ackerlandes von Madagaskar) überlassen werden sollte, um dort u.a. Palmöl für Biosprit und Mais anzubauen. Der sükoreanische Konzern Daewoo Logistics praktiziert eine neue Form des Kolonialismus. In einer Vereinbarung mit Madagaskar übernimmt er für 99 Jahre (!) 1,3 Million Hektar (13.000 Quadratkilometer) im Westen und im Osten der Insel, um dort Mais und Pflanzen für die Herstellung von Biosprit anzubauen. Die Fläche ist etwa halb so groß wie das gesamte landwirtschaftlich genutzte Gebiet auf der Insel, die über 580.000 Quadratkilometer groß und dünn besiedelt ist. Über die Folgen für die Umwelt wird in den Berichten nichts gesagt.
Möglicherweise muss der Konzern nichts für das Land zahlen, das er mit einem Konsortium, dem auch chinesische Firmen angehören sollen, für 6 Milliarden US-Dollar in den ersten 25 Jahren erschließen will und damit Infrastruktur und bis zu 70.000 Arbeitsplätze schaffen soll. Über Pacht und Steuerzahlungen wird noch verhandelt. Beabsichtigt ist, den Ertrag auf 10 Tonnen Mais pro Hektar zu steigern. Letztlich sollen jährlich 4 Millionen Tonnen Mais und eine halbe Million Tonnen Palmöl produziert werden.
Seit der politischen Krise in Madagaskar seit März 2009 liegt das Projekt auf Eis.

